Musiktherapeut / Musiktherapie

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Die Musiktherapie ist eine anerkannte Therapiemethode, die verschiedene Ansätze verfolgt und sowohl für körperliche als auch seelische Krankheiten eingesetzt wird. In einer Musiktherapie Ausbildung kann der Beruf erlernt werden. Neben der Behandlung von körperlichen Erkrankungen, wie zum Beispiel bei Tinnitus oder auch zur Schmerztherapie, werden vor allem psychische Erkrankungen mit Hilfe der Musiktherapie behandelt. Auch in der Behandlung von Störungen im Verhalten und der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen hat sich die Musiktherapie bewährt. Wie viele andere Therapieformen auch, verfolgt die Musiktherapie einen ganzheitlichen Ansatz. Die Methoden, die bei der Musiktherapie zur Anwendung kommen, behandelt nicht nur körperliche Schmerzen und Erkrankungen, sondern befasst sich auch ganz intensiv mit der Tatsache, dass Musik auf die Seele und die Nerven von Menschen einwirkt. Auf diese Weise wird mit der Musiktherapie ein besonderes medizinisches Ergebnis erzielt.

In der Musiktherapie geht es primär nicht darum, ein Instrument zu erlernen. Vielmehr wird die Musik als Medium verwendet. Die Musiktherapie gehört zu den kreativen Therapien, soll also Traumata oder psychische Störungen mit Hilfe der Musik behandeln. Aus diesem Grund kann sie als Ausdrucksmittel für momentane Gefühle, als Möglichkeit, Sprachlosigkeit zu überwinden oder als Heilmittel gegen seelische Nöte verwendet werden. Da Musik eine Wirkung auf alle Bereiche des Körpers ausübt, kann sie zur Behandlung von Schmerzen ebenso verwendet werden, als auch zur Therapie von Persönlichkeitsstörungen oder Depressionen. Auch als postoperative Methode nach schweren Erkrankungen hat die Musiktherapie zahlreiche Möglichkeiten, den Patienten zu helfen.

Neben des positiven Erlebnisses des Musikhörens und Musikmachens, steht die Veränderung des Körpergefühls im Vordergrund. Die gestalttherapeutischen Ansätze der Musiktherapie sorgen dafür, dass der Patient eine probate Möglichkeit erhält, Gefühle oder Gedanken auszudrücken und sich auf diese Weise mitzuteilen, wenn Worte dies nicht ermöglichen. Auch ist es eine Methode, sich zu konzentrieren, abzulenken und zu entspannen. Auf diese Weise trägt die Musiktherapie zum Lösen von körperlichen und seelischen Spannungen bei, die Begleiterscheinung vieler körperlicher und seelischer Krankheiten sind.

Bei der Musiktherapie werden drei verschiedene Formen unterschieden. Zum einen gibt es die aktive Therapie, das Singen und Musizieren in der Improvisation; die rezeptive Therapie konzentriert sich auf den passiven Musikgenuss, die animative Musiktherapie ist das vorgegebene Singen und Musizieren nach Noten. Jeder Bereich wird für verschiedene Erkrankungen eingesetzt, viele Erkrankungen erlauben auch den Einsatz aller drei Formen. Ein wichtiger Bestandteil der Musiktherapie ist, das im Anschluss an ein Lied über die Gefühle, die beim Patienten entstanden sind, gesprochen wird. Der Patient soll in sich hineinhören, die Gefühle aktiv erleben und diese verbal zum Ausdruck bringen – dieser Bereich hilft maßgeblich bei der Verbesserung der Körperwahrnehmung eines Patienten.

Beispiel: Musiktherapie bei Tinnitus

Die Musiktherapie wird nicht nur bei seelischen Erkrankungen oder Entwicklungsverzögerungen eingesetzt. Auch bei körperlichen Beschwerden kommt die Musiktherapie zum Einsatz. Ein bekanntes Beispiel ist die Behandlung eines Tinnitus durch musiktherapeutische Maßnahmen. Beim Tinnitus hören Patienten einen immer gleichbleibenden, sehr hohen Ton im Ohr. Die Musiktherapie kann zwar den Tinnitus nicht komplett heilen, sie kann jedoch zu einer wesentlichen Verbesserung der Beschwerden führen. Durch ein verändertes Hören und eine tiefe Entspannung kann eine Linderung der Beschwerden erreicht werden. Oftmals verschwinden nicht chronische Beschwerden nach einer längeren Behandlungszeit dauerhaft.

Beim Tinnitus werden zwei verschiedene Entstehungsformen unterschieden. So gibt es den subjektiven Tinnitus, zum Beispiel durch einen Hörsturz oder einem Schalltrauma oder einer Entzündung des Ohres. Oder aber der Tinnitus entsteht objektiv, beispielsweise durch eine Tubenfunktionsstörung. Im Falle der subjektiven Form bei einem Hörsturz oder einem Schalltrauma kann der Tinnitus chronisch werden. Der chronische Tinnitus kann mit Hilfe der Musiktherapie erfolgreich behandelt werden. Dazu werden nur Teile der Musiktherapie angewendet. Es geht hier weniger darum, dass seelische Spannungen und Erkrankungen gelöst werden. Bei der Behandlung eines Tinnitus steht die Desensibilisierung des für den Tinnitus typischen hohen Pfeiftons im Vordergrund. Aus diesem Grund wird bei der Tinnitusbehandlung kein einzelnes Instrument genutzt. Die passive Musiktherapie, also das passive hören von Melodien und Klangfolgen ist die bevorzugte Therapie eines Tinnitus.

Neueste Forschungen haben bewiesen, dass das Pfeifen abnimmt, wenn ein Patient über einen längeren Zeitraum Musik in einer bestimmten Frequenz hört. Die Musik sollte nicht zu laut gespielt werden, um das geschädigte Ohr nicht noch weiter zu belasten. Zudem ist es wichtig, dass Musik gewählt wird, die nicht die Tinnitusfrequenz enthält. Zugleich wird durch den Einsatz der Tinnitusfrequenz während einer Entspannungsübung erreicht, dass der Patient seinen Tinnitus aktiv steuern, also ausblenden kann. Die Patienten erhalten somit eine Möglichkeit, den Tinnitus subjektiv auszuschalten und werden somit für einige Momente entlastet.

Bei einem Tinnitus liegt eine Störung von bestimmten Gehirnregionen vor, die durch eine Hörschulung behoben werden kann. Somit ist der nächste Schritt in der musiktherapeutischen Behandlung eines Tinnitus, diese Regionen im Gehirn positiv zu beeinflussen und die Reaktion der Region zu Normalisieren. Dies wird mit Hilfe von Hörübungen, die den Patienten zwingen, sein Hörverhalten zu ändern und auf ganz bestimmte Töne zu hören. Durch diese Hörübung, der Einsatz von Entspannungstechniken und die Desensibilisierung lernt das Gehirn, die imaginären Geräusche auszuschalten. Der Stress, der sich durch den Tinnitus beim Patienten bildet und oftmals die Ohrgeräusche zusätzlich verstärkt, wird durch gezielte Entspannungsübungen gemildert. In einem Musiktherapie Studium werden entsprechende Kenntnisse vermittelt. Musiktherapie Instrumente die sich eignen sind z. B. das Glockenspiel.

Das Handwerkzeug des Musiktherapeuten: Die Instrumente

Die Instrumente in der Musiktherapie stellen ein Kommunikationsmedium zwischen dem Patienten und dem Therapeuten dar. Während in anderen Therapien die Sprache zur Kommunikation verwendet wird, übernehmen Töne, Klänge und Melodien diese Aufgabe. Um diese Kommunikation herzustellen, sind eine Vielzahl von Instrumenten möglich. Natürlich dient auch die Stimme des Patienten als Klangmedium. Es wird zwar primär nicht gesprochen, doch Töne, Laute oder Melodien, die der Patient während der Therapie erzeugt, gehören zum therapeutischen Verlauf. Während einzelne Töne von Instrumenten oder der menschlichen Stimme zum Ausdruck von Gefühlen oder Gedanken verwendet werden, wird durch den gezielten Einsatz von Instrumenten oder dem Gesang eine verbesserte Körperwahrnehmung erzielt.

Die gebräuchlichsten Instrumente bei einer Musiktherapie sind Schlaginstrumente. Trommeln, Xylofone oder auch Klangstäbe sind geeignete Mittel, um eine Musiktherapie durchzuführen. Bei der Musiktherapie geht es nicht um das Erlernen eines Instruments, sondern um die Erweiterung der Ausdrucksweise und das Verarbeiten von seelischen oder körperlichen Spannungen. Die Musiktherapie Instrumente erfüllen dabei drei wesentliche Aufgaben. Sie helfen bei der Differenzierung von Situationen, Gefühlen oder Personen, sie helfen dabei, Gefühle auszudrücken und Unterschiede wahrzunehmen und sie sind das primäre Kommunikationsmedium zwischen Patient und Therapeut. Die verschiedenen Instrumente stehen dabei symbolisch für bestimmte Zustände oder Gefühle des Patienten. Mit Hilfe der Instrumente kann der Patient Angst, Freude, Glück oder auch Wut und Trauer perfekt ausdrücken, selbst wenn er dafür keine Worte finden kann.

Bei der Musiktherapie werden nicht nur komplette Instrumente benutzt. Es ist eine der wesentlichen therapeutischen Maßnahmen bei der Musiktherapie, Instrumente selbst herzustellen. Dabei geht es nicht darum, ein Musikinstrument originalgetreu nachzubilden. Die Patienten sollen vielmehr eine Möglichkeit finden, ein Klangmedium zu erzeugen, dass für ihre Bedürfnisse perfekt ausgerüstet ist. Die selbst gebauten Instrumente sind ein Werkzeug, um Gefühle, Gedanken und Spannungen zu kommunizieren und einen Weg zur Verarbeitung zu finden. Gleichzeitig stellt der Bau des Instruments schon einen Teil der Musiktherapie dar. Das selbst gebaute Instrument enthält einen Teil der Identität jedes Patienten und ist somit Ausdruck seiner Persönlichkeit, seiner Probleme, seiner Erkrankung. In einem Musiktherapie Studium kann man entsprechendes lernen.

Im Zuge der Therapie werden die Instrumente immer mehr durch verbale Kommunikation ersetzt. Die Benutzung bestimmter Instrumente auf eine bestimmte Weise ist Gegenstand der therapeutischen Nachbearbeitung. Auch die Tatsache, dass ein Patient ein bestimmtes Instrument bevorzugt, sagt viel über sein körperliches oder seelisches Befinden aus und hilft bei der Verarbeitung von Schmerzen oder der Aufarbeitung von Traumata. Die Seele eines Patienten sucht sich intuitiv ein bestimmtes Klangmedium, um über sich Auskunft zu geben. Dies vor allem dann, wenn bestimmte Themen mit Hilfe von Musik dargestellt werden sollen.