Interview mit Dipl.-Psych. Martin Bärsch-Klötzke – Ausbildungsleiter des Zweiges für Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie der Christophsbad-Akademie für Psychotherapie in Göppingen

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Wir konnten ein Interview mit Dipl.-Psych. Martin Bärsch-Klötzke führen:

Sie bieten Ausbildungen und Weiterbildungen im Bereich Psychotherapie an. Können Sie eine Übersicht über Ihre Angebote geben?

Wir bilden aus: Ausbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin / zum Psychologischen Psychotherapeuten, Vertiefung (=Therapierichtung) Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (TP)
ab Oktober 2019 auch Verhaltenstherapie.

Wen sprechen Sie mit Ihrem Angebot an? Wie sind die Zugangvoraussetzungen zu den Angeboten?

Voraussetzung ist ein Master oder Diplomabschluss in Psychologie mit dem Prüfungsfach „Klinische Psychologie“

In aller Munde ist die Reform der Psychotherapeutenausbildung. Können Sie uns erklären worum es dabei geht? Und wie wirkt sich eine solche Reform auf Ihr Angebot aus?

Die Ausbildung in Psychotherapie soll nach dem Modell der Ärzteausbildung umgestaltet werdem: Zuerst ein Studium mit Bachelor und Master im neu gestalteten Studiengang Psychotherapie. Am Ende neben der Masterprüfung ein Staatsexamen (Prüfung) zur Erlangung einer Approbation als Psychotherapeut. Im Anschluss eine voraussichtlich 5-jährige Assistentenzeit zur Weiterbildung in einem Vertiefungsverfahren (anerkannter Therapierichtung) an einer Klinik oder entsprechenden anerkannten Einrichtung, um dann eigenverantwortlich als PsychotherapeutIn arbeiten zu dürfen und ggfs. sich in einer Praxis niederzulassen.

Die Auswirkungen der Reform auf die ganze Landschaft der Ausbildungsinstitute ist noch sehr schwer abzuschätzen. Es wird wohl einen Fortschritt in der Bezahlung des Teils der Aus- bzw. Weiterbildung nach dem Studium geben. Allerdings ist noch unklar, wie das finanziert wird und ob das möglicherweise zu einer Verringerung der Zahl der pro Jahr aus- und dann weitergebildeten Psychotherapeuten führt.

Unser Institut ist im Prinzip gut aufgestellt , weil wir der neuen Form schon sehr nahe kommen. Entscheidend wird sein, inwiefern das Klinikum als Träger die Schaffung der Stellen für die Weiterbildungs-AssistentInnen finanzieren kann.

Können Sie uns schildern, was Ihnen besonders wichtig ist bzgl. Ihrer Angeboten? Mit welchen Besonderheiten können die Teilnehmer Ihrer Angebote rechnen?

Eine enge Verzahnung der theoretischen Ausbildung mit der praktischen Arbeit auf den Stationen einer großen psychiatrisch-psychotherapeutischen Klinik, Ausbildung aus einer Hand und unter einem Dach. Arbeit in der Ambulanz, Supervisionen, Seminare, alles findet im Institut und im Klinikum statt. Nur die Selbsterfahrung im tiefenpsychologischen Zweig findet bei niedergelassenen KollegInnen außerhalb der Klinik statt. Eine Ausbildung in kleinen Jahrgangsgruppen (max. 6 TeilnehmerInnen pro Jahrgang), eine kollegiale Atmosphäre.
Ein großes Spektrum an Stationen und Patienten mit der Möglichkeit, breite klinische Erfahrung zu sammeln. Das reicht von der Kinder-Jugend-Psychiatrie über eine Kriseninterventionsstation, Suchtbehandlung und Borderlinebehandlung, über die Psychosomatik bis zur Akutpsychiatrie, einer Depressionsstation und der Alterspsychiatrie.

Welche Zukunft erwartet die Absolventen? Wie schätzen die Zukunft bzgl. der Arbeitsmöglichkeiten und Herausforderungen der Absolventen und generell des Themas Psychotherapie

Von unseren AbsolventInnen hatte bisher jeder im Anschluss eine qualifizierte Stelle als PsychotherapeutIn.

Der Bedarf an Psychotherapie ist unverändert hoch. Als wachsendes Arbeitsfeld ist aufgrund des demografischen Wandels die Alterspsychotherapie zu nennen.

Vielen Dank für das Interview!