Emotion und Kognition

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Die Beziehung zwischen Emotion & Kognition (nach Lazarus, Zajonc)

 

Gliederung

1 Einleitung……………………………………………………2

2 Begriffsbestimmung…………………………………….. 2

3.1 Zajonc, 1984…………………………………………2

3.2 Lazarus, 1982, 1984………………………………..4

4 Beurteilung…………………………………………………..5

5 Literaturverzeichnis……………………………………….5

 

 
1 Einleitung

Ein Aufsatz des Psychologen Zajonc, der im American Psychologist im Jahr 1980 veröffentlicht wurde, entfachte bei manchen Kollegen eine starke Reaktion. In dem Artikel postuliert Zajonc die Unabhängigkeit von Emotion und Kognition. In einer Zeit, in der Kognitivisten die Szene der Psychologie beherrschten, war das ein streitbarer Standpunkt. Kognitionspsychologen sahen Emotionen als Produkt kognitiver Arbeit an und nicht als von Kognitionen unabhängiges System. So ließ eine Antwort eines bekannten Kognitivisten auf Zajonc´s Theorie auch nicht lange auf sich warten. Lazarus` Antwort auf Zajonc´s Theorie erschien 1982 in der gleichen Zeitschrift. Lazarus verteidigt in ihr den Standpunkt „Kognition vor Emotion“. Zwei Jahre später reagiert Zajonc mit einem weiteren Artikel und gleich anschließend nimmt wiederum Lazarus Stellung zum Thema. Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Argumenten der drei Artikel der beiden Autoren die von 1982 bis 1984 erschienen.
2 Begriffsbestimmung

Es ist nicht einfach eine Definition für „Kognition“ zu finden. Die Psychologie hat in ihrer jüngeren Geschichte eine allgemeine Hinwendung zum Kognitivismus erlebt. So werden immer mehr Themen der Psychologie von der Kognitiven Psychologie erfaßt. Aufgrund der ständigen Verbreiterung des Gebiets Kognition, ist es schwer den Begriff klar zu definieren. Eine Definition für die Kognitive Psychologie findet sich beispielsweise in Zimbardo, 1995, S.357 : „Kognitive Psychologie ist die Untersuchung aller geistigen Prozesse und Strukturen,… .Die Kognitive Psychologie ist ein umfassender interdisziplinärer Ansatz zur Untersuchung der Systeme und Prozesse der Informationsverarbeitung.“. Es wird klar, daß sich der Anspruch der Kognitiven Psychologen auf ein weites Feld ausdehnen. Wie man sehen wird, dehnt er sich auch auf das Feld der Emotion aus. Daß es immer auch sehr schwierig ist eine klare Definition für Emotion zu finden spiegelt die folgende Definition wieder: „Trotz unterschiedlicher Definitionen und Bewertungen stimmen Psychologen gegenwärtig darin überein, daß eine Emotion ein komplexes Muster von Veränderungen ist, daß physiologische Erregung, Gefühle, kognitive Prozesse und Verhaltensweisen einschließt, die als Reaktion auf eine Situation auftreten, welche ein Individuum als persönlich bedeutsam wahrgenommen hat (Kleinginna & Kleinginna, 1981).“ (Zimbardo, 1995, S.357). Man kann sehen, daß der Begriff Emotion laut Definition eine Vielzahl von einzelnen Komponenten beinhaltet. Gerade der Artikel von Zajonc, 1980 hat um den Begriff Emotion eine Debatte ausgelöst, die viele Vertreter der Psychologie zu einer expliziten Stellungnahme hierzu veranlaßte. Daß die Definition der Emotion aus dem Jahr 1981 stammt, zeigt, daß gerade zu der Zeit Zajonc`s und Lazarus` Auseinandersetzung eine entscheidende Diskussion um den Begriff Emotion stattfand. Daß diese Definition anscheinend bis heute bestand hat [wohlgemerkt 1995 veröffentlicht]zeigt die Bedeutung der im folgenden darzustellenden Debatte. So geht es in den Artikel der Autoren letztendlich auch um eine grundlegende Definition des Begriffs Emotion und Kognition.
3.1 Zajonc, 1984

Zajonc reagiert mit seinem Aufsatz auf einen Artikel Lazarus`. Er spricht sich für eine Unabhängigkeit von Emotion und Kognition aus. Sein Artikel soll vor allem einen Ansatz, der bereits von Wilhelm Wundt ausging wieder wachrufen, welcher über eine lange Zeit von Psychologen ignoriert wurde. Der „Urvater“ der modernen Psychologie schrieb damals: „[Es] gehen der klaren Apperzeption von Ideen in Akten der Kognition und Wiedererkennung immer Gefühle voraus“(Wundt, 1907, S. 244; nach Goller, 1992, S.163). Aufgrund der von Zajonc angenommenen Unabhängigkeit der beiden Systeme Kognition und Emotion kann es also auch vorkommen, daß Emotionen Kognitionen vorausgehen. Er beklagt hier die Reaktion Lazarus`, der kategorisch die Möglichkeit der Unabhängigkeit der beiden Systeme ablehnt und -per Definition- festlege, daß kognitive Einschätzungen den Emotionen vorausgehen. Nach Zajonc`s Meinung ist die Argumentation Lazarus` rein spekulativ, denn er erbringe für seine Behauptung keine empirische Evidenz. Auch der Begriff der kognitiven Einschätzung sei ein kurzerhand und willkürlich eingeführter Begriff von Lazarus. Gerade weil Lazarus einfach behaupte, die von ihm angenommenen kognitiven Einschätzungen seien unbewußt und so nicht nachweisbar, können die Behauptungen Lazarus „…not be falsified.“(Zajonc, 1984, S.117). Zajonc hält die Auseinandersetzung Lazarus´ mit dem Thema für zu spekulativ und meint, daß es Zeit sei empirische Daten und Beweise zum Thema zu sammeln anstatt spekulative Theorien zum Thema aufzustellen. Zajonc bezieht sich nun auch auf eine Bemerkung Lazarus` bezüglich „Widespread misunderstandings of what it means to speak of cognition as a causal antecedent of emotion“ (Lazarus, 1982, S.1019). Zajonc stellt heraus, daß er unter Kognition, in dem Sinne, durchaus nichts falsches versteht. Vielmehr unterscheide er zwischen tatsächlichen Kognitionen oder kognitiven Einschätzungen und purem Sinneseindruck. Außerdem sehe er Rationalität und Bewußtsein nicht gleich als Kognition an. Daß es im Bereich des bewußten Erlebens und der Rationalität durchaus eindeutige Unabhängigkeit von tatsächlichen Emotionen gibt, dafür habe er schon Beispiele erbracht. Zajonc sieht vor allem die Notwendigkeit in den Bereich des Unbewußten zu gehen um dort nach dem Zusammenhang bzw. der Unabhängigkeit von Emotion und Kognition zu suchen. Lazarus definiert Kognition folgendermaßen: „Cognitive appraisal means that the way one interprets one`s plight… is crusial to the emtional response.“(Lazarus, 1982, s.1019). Zajonc`s Definition von Kognition ist auf den ersten Blick inhaltlich dieselbe: „My definition of cognition requires some form of transformation of a present or past sensory input. „Pure“ sensory input, … , is not cognition. It is only „pure“ sensation.“ (Zajonc, 1984, S118). Seine Definition deutet allerdings schon auf den Bereich hin, in dem das kritische Moment liegt. Genau hier, im Unbewußten, im Bereich der Wahrnehmung scheiden sich die Geister der beiden Autoren. Wo Lazarus kognitive Interpretationen des Wahrgenommenen vor der emotionalen Reaktion stellt, glaubt Zajonc an die von kognitiven Funktionen unabhängige sofortige emotionale Reaktion. Als Beispiel der Unabhängigkeit von Emotion nennt er die facial feedback theory, die zumindest die Unabhängigkeit eines Aspekts der Emotion, der physiologischen Erregung, impliziert. Zajonc führt nun einige empirischen Beweise an, die Gültigkeit seiner Behauptung untermauern sollen. – Zajonc verweist auf einen Artikel von Izard, 1984, der in seiner Veröffentlichung Beweise dafür erbringt, daß innerhalb der ontogenetischen Entwicklung affektive Reaktionen vor den Kognitionen stehen. Ein Baby beispielsweise kann lächeln und weinen noch lange bevor es anfängt nachweisbare Kognitionen zu erbringen. – Als weiteres Argument führt Zajonc die Neuroanatomie und -physiologie an. Hier können getrennte Systeme entweder Emotionen oder Kognitionen zugeschrieben werden. Das limbische System wird als das „emotionale“ System bezeichnet. Auch sei schon lange bekannt, daß die rechte Gehirnhemisphäre vor allem für Emotionen, die linke eher für Kognitionen zuständig sei. Auch nähere Untersuchungen zur Spracherzeugung- und Verständnis weisen darauf hin, daß der emotionale Anteil eher in der rechten, der lexikalische und inhaltliche Anteil eher in der rechten Hemisphäre verarbeitet wird. Als weiteren Hinweis fügt er hinzu, daß es direkte neuronale Verbindungen von der Retina zum Hypothalamus gibt. Also werden die puren Sinneseindrücke wahrscheinlich ohne vorherige kognitive Verarbeitung an ein neuronales System weitergegeben, daß vor allem emotionale Funktionen erfüllt. -Es wird auch beobachtet, daß Emotion und kognitive Einschätzung oft unzusammenhängend und unkorreliert sind. Auch wenn sich die kognitiven Einschätzungen im Laufe der Zeit ändern, so bleiben die emotionalen Assoziationen meist beständig. -Es können auch neue emotionale Reaktionen eingerichtet werden ohne der nachweisbaren Beteiligung von kognitiven Einschätzungen. An betäubte Tieren wurde eine Geschmacksaversionskonditionierung durchgeführt, und zwar im betäubten Zustand. Nachdem die Tiere aus der Narkose erwachten zeigten sie den konditionierten Aversionsreiz. Durch die Betäubung kann eine Partizipation von kognitiven Anteilen am Effekt ausgeschlossen werden. -Es können emotionale Zustände durch nichtkognitive und nicht perzeptive Prozeduren hergestellt werden. In Experimenten wurden Versuchsperson ohne ihr Wissen Drogen verabreicht (Valium), welche die Stimmung der Versuchspersonen veränderten. An diesem Punkt macht Zajonc seinen Standpunkt noch einmal klar: er schließt nicht aus, daß Kognitionen Emotionen vorausgehen können. Nur gäbe es die erwähnten empirischen Befunde, die Rückschlüsse darauf zulassen, daß Emotionen unabhängig von Kognitionen auftreten. Er schließt die Möglichkeit von bedingten Emotionen nicht aus, nur mache Lazarus den Fehler seinen Behauptungen keine empirischen Belege folgen zu lassen. So kann man die Behauptungen Lazarus als zwar interessant aber reine Spekulation betrachten.
3.2 Lazarus 1982, 1984

In der Antwort Lazarus` auf Zajonc`s Artikel ist Lazarus erst einmal um eine Begriffsbestimmung, um seine Begriffsbestimmung zum Thema bemüht. Für ihn entstehen Emotionen aus einer andauernden Evaluation des Verhältnisses des Individuums mit der Umwelt. Für Zajonc aber seien Emotionen, und hier nimmt er Bezug auf die empirischen Hinweise, die Zajonc erbrachte, schon solche Phänomene wie Überraschung. Überraschung könne man aber nicht als Emotion sondern als Reflex ansehen. Überhaupt würde die korrekte Definition von Zajonc mißachtet, wenn er nur eine der drei Voraussetzungen einer Emotion ( physiologische Erregung, subjektives Empfinden und Verhalten), nämlich vor allem den physiologischen Aspekt betrachtet. Das sei eine entscheidende Vernachlässigung Zajoncs. Auch glaubt er, daß sich Zajonc gar nicht mit wirklichen Emotionen beschäftigt, sondern nur mit Vorlieben. Diese Vorlieben müssen aber nicht mit Emotionen verbunden sein. Man kann auch ohne Einbezug von Emotionen sagen: `Das gefällt mir, jenes nicht.` Wenn Zajonc als Beispiel die direkte Reaktion (über neuronale Wege) von Individuen auf Gefahr etc. für Emotion sieht, so ist das inkorrekt, denn Reaktion auf Gefahr oder die Reaktionen Neugeborener auf Reize können nicht als Emotion definiert werden. Diese menschlichen Reaktionen müßten von dem Bereich der Emotionen getrennt werden. Aber Lazarus gesteht auch ein, daß zu diesem Zeitpunkt der Theoriebildung, Wissen und Methode weder sein noch Zajonc`s Standpunkt bewiesen werden kann. So sieht er vorerst auch die grundsätzliche Verschiedenheit der beiden Autoren auf einer philosophischen Basis. Er bezeichnet Zajonc eher als einen Neopositivisten und sich selber als Konstruktivist. Die neuroanatomische Zuweisung für Kognition in die linke und Emotion in die rechte Hirnhemisphäre kann nach Meinung Lazarus` ebenfalls nicht gehalten werden. Neuere Äußerungen von Physiologen bezweifeln, daß man die Zuweisung so eindeutig treffen kann. Auch am Beispiel des Biofeedbacks kann man sehen, daß es durchaus Steuerungsmöglichkeiten kognitiver Art über basalste körperliche Funktionen gibt. So ist auch anzunehmen, daß die von Zajonc erwähnten expliziten neuronalen Regionen zu Emotionen durchaus von Kognitionen beeinflußt werden. Lazarus sieht letzlich die Zukunft der Erklärung des Zusammenhanges zwischen Emotion und Kognition in der kognitiven Psychologie.
4 Beurteilung

Die Auseinandersetzung Lazarus und Zajonc erscheint wie eine Definitionsdebatte. Hier geht es nicht um eine Auseinandersetzung in der jeder sich der gleichen wissenschaftlichen Mittel bemächtigt. Die Definition von Emotion bzw. Kognition wird von beiden verschieden ermittelt. So sind auch die empirischen Beweise mit denen beide, vor allem Zajonc, auftritt, hinlänglich, da sie den Standpunkt des anderen nicht berühren. Lazarus betont die verschiedenen Philosophischen Perspektiven beider. Für ihn, als Kognitivist ist der Bereich der Kognition natürlich viel größer als für Zajonc. Er führt innerhalb der Debatte auch den Begriff der kognitiven Einschätzung ein, um auch einfache, in den Bereich der Wahrnehmung fallende Prozesse als Kognition zu definieren. Wenn er auch die Wahrnehmung als kognitiven Bereich bezeichnet, ist es also naheliegend noch vor der Produktion von Emotionen die Kognition zu stellen. Den Begriff der Emotion verkleinert er im Gegensatz zu Zajonc erheblich. Reaktionen auf Gefahr oder basale Reaktionen von Kindern zählt er nicht zu den Emotionen sondern plaziert sie in den Bereich der Reflexe. Im Gegensatz zu Lazarus meint Zajonc, wenn er von Emotionen spricht, bereits solche Reaktionen wie oben erwähnt. So ist es von seinem Standpunkt aus klar, daß solche Reaktionen (Emotionen) auch ohne vorherige Kognition zustande kommen. Für den Begriff Kognition setzt Zajonc ein Minimum an Transformation des Inputs voraus, das den subjektiven Zugriff des Individuums ermöglicht. So fallen bei ihm Prozesse der Wahrnehmung nicht mit in die Kognition. Für ihn ist Wahrnehmung `pure Sensorik`. Es ist also zu dem Zeitpunkt der Veröffentlichung der Artikel vor allem eine Definitionsfrage um die beiden Begriffe Emotion und Kognition entfacht, die eigentlich vor der Erörterung der Themen der Artikel, die sich um den Zusammenhang beider Bereiche bemüht, stehen sollte.
5 Literaturverzeichnis

GOLLER, H. (1992). Haeffner & Ricken (Hrsgb). Emotionspsychologie und Leib-Seele-Problem. Kohlhammer : Stuttgart.

LAZARUS, R. S. (1982). Thoughts on the Relations between Emotion and Cognition. American Psychologist, 37, S. 1019-1024.

LAZARUS, R. S. (1984). On the Primacy of Cognition. American Psychologist, 39, S. 124-129.

ZAJONC, R. B: (1984). On the Primacy of Affect. American Psychologist, 39, S. 117-123

ZIMBARDO (1995). Hoppe-Graff & Keller (Hrsgb). Psychologie. 6. Auflage. Springer: Berlin