Gestalttherapie

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Gestalttherapie – Zentrale Methode der Psychotherapie

 

Auf einen Blick:

 

Der Begriff der Gestalttherapie gehört zu den zentralen Methoden der Psychotherapie. Begründet wurde die Gestalttherapie von Fritz und Laura Perls sowie Paul Goodman. Dabei handelt es sich um eine hermeneutisch und phänomenologische Vorgehensweise der Psychotherapie mit erlebnisaktivierendem Charakter. Die Gestalttherapie wird zudem als Bestandteil der humanistischen Psychologie verstanden. Sie entstand aus der Psychoanalyse, bzw. aus der Kritik daran und einer Abgrenzung von ihr. Dabei darf die Gestalttherapie nicht als Methodik verstanden werden, bei der reale Gebilde aus Therapiezwecken geformt werden sollen. Vielmehr geht es darum, den Patienten mit Hilfe von „Platzhaltern“ in eine bestimmte Situation zu versetzen, um etwa einen imaginären Dialog zu einer anderen Person oder einem Teil der eigenen Persönlichkeit zu gestalten.

Der Begriff der Gestalttherapie

In der Gestalttherapie spielen verschiedene Begriffe eine wichtige Rolle, darunter Gewahrsein, Dialog, Kontaktfunktionen und -störungen sowie Ganzheit, Feld und Prozess. Von grundlegender Bedeutung ist jedoch der Begriff der Gestalt in der Gestalttherapie. Dabei wird damit „das Formen eines sinnvollen Ganzen“ bezeichnet, das nicht zwangsläufig auf greifbarer, sondern viel mehr auf mentaler Ebene stattfinden soll. Mit Hilfe von „Sinn und Struktur“ soll beispielsweise einer Lebenssituation oder einer Problematik Gestalt verliehen werden, um eine geschlossene Gesamtheit zu bilden. Häufig werden in der Gestalttherapie dazu bildliche Analogien verwendet, die auch das Abheben einer Gestalt verdeutlichen sollen, etwa durch das Abheben eines schwarzen Punktes auf einer andersfarbigen Fläche.

Zentral in der Gestalttherapie ist dabei ebenfalls, das bestimmte Wahrnehmungen nicht isoliert erfolgen können, sondern immer in einem bestimmten Kontext stehen, so etwa zum sozialen Umfeld. Die Gestalt im Sinne eines Ganzes setzt sich dazu immer aus vielen verschiedenen Einzelelementen zusammen. Letztlich ist zusätzlich die Annahme, dass sich eine Gestalt immer im Vorder- vor einem Hintergrund bildet, ebenfalls ausschlaggebend für die Gestalttherapie.

Die Methoden der Gestalttherapie

Insgesamt kennt die Gestalttherapie vier zentrale Methoden: Die Dialogische, die Feldtheoretische, die Phänomenologische und die Existentialistische.

Die Dialogische Methode versteht den Therapeuten dabei als Begleiter des Patienten und nicht als denjenigen, der den Klienten verändern soll. Alle Techniken werden offen gelegt, bzw. sogar zusammen erarbeitet.

Die Feldtheoretische Methode setzt den Patienten in einen Kontext mit seinem Umfeld. Die entsprechenden Techniken sollen ihm dabei behilflich sein, sich immer wieder neu an das sich ständig verändernde Umfeld anzupassen.

Die Phänomenologische Methode in der Gestalttherapie widmet sich dem Unvoreingenommenen, es geht darum, das Offensichtliche zu beschreiben und zu erörtern, statt über Möglichkeiten zu Spekulieren oder Beschriebenes zu interpretieren.

Die Existentialistische Methode schließlich geht von der Annahme aus, dass Menschen selbst dafür verantwortlich sehen, wie sie ihre Welt wahrnehmen – und auf sie reagieren. Gleichzeitig geht es jedoch auch darum, dass manche Dinge nicht beeinflusst werden können.

Die Techniken der Gestalttherapie

Die beschriebenen Methoden finden in 5 zentralen Techniken der Gestalttherapie Anwendung:

  • Übungen: Die Patienten konstruieren selbst bestimmte Situationen, um Wahrnehmung, Erleben und Handeln bewusster zu gestalten
  • Experimente: Sie können beispielsweise Erfahrungen in völlig neuen Situationen sein, die nicht bewertet werden. Hier steht die Erfahrung, das Erforschen und Erleben im Mittelpunkt. Experimente werden in der Gestalttherapie speziell auf den Patienten zugeschnitten.
  • Hausaufgaben: Ähnlich den Experimenten, Therapeut und Patient entwerfen gemeinsam ein Experiment, das jedoch außerhalb einer Therapiesitzung durchgeführt wird.
  • Situationsbezogene Interventionen: Sie sind Anmerkungen des Therapeuten während einer Übung oder eines Experiments, sie dienen lediglich dem persönlichen Feedback
  • Medien/Modalitäten: In der Gestalttherapie wird nicht nur die Sprache, sondern beispielsweise auch der Körper eingesetzt. Auch verschiedene Modalitäten, etwa der Stimme (z.B. Lautstärke) spielen dabei eine Rolle.

Das bekannteste Beispiel der Gestalttherapie:

Das bekannteste Beispiel, das Methoden und Techniken der Gestalttherapie veranschaulicht, ist der „leere Stuhl“. Dabei stellen sich die Patienten vor, auf einem leeren Stuhl säße ein Mensch oder ein Teil einer Persönlichkeit, mit der/dem sie in einer Sitzung dann in einen Dialog treten sollen.