Krankheitsbewältigung

0

Krankheitsbewältigung / Gesundheitsmanagement

 

Einführung

Das Ziel der Krankheitsbewältigung / des Gesundheitsmanagement ist die Stärkung gesundheitlicher Bewältigungsprozesse sowie eine bedarfsgerechte Versorgung und dies möglichst als Hilfe zur Selbsthilfe („Empowerment“ = Nutzen von Potentialen oder „Selbstmanagement“). Die psychosoziale Bewältigung (Coping) der Erkrankung sowie die praktische und technische Bewältigung stehen dabei im Vordergrund. Verschiedene Aspekte / Disziplinen können dabei einbezogen und integriert werden (z. B: Wissen und Methoden aus Psychologie, Sozialmedizin, Sozialarbeit, Pädagogik, Medizin). Psychosoziale Faktoren spielen bei der Krankheitsbewältigung eine bedeutsame Rolle, denn sie bestimmen bei schwerwiegenden und chronischen Erkrankungen maßgeblich sowohl die Lebensqualität als auch die Entwicklung der Erkrankung und der Lebenserwartung. Dabei ist das das familiäre und soziale Umfeld, die berufliche Existenz und die vorangegangenen Erfahrungen mit Krankheit, Schmerz und Behandlung bei allen Überlegungen einzubeziehen. Bei Erkrankungen wie z. B. Krebs, Multiple Sklerose, AIDS, Schizophrenie oder Asthma kann das Selbstbild und die Zukunftsperspektive durch die Krankheitsfolgen oder gar das Leben bedroht sein und es kommt häufig auch zu belastenden Einschränkung der üblichen alltäglichen und sozialen Aktivitäten.
Traditionelle Klientenaufklärung beinhaltet klassischerweise die Vermittlung technischer sowie krankheitsbezogener Fähigkeiten und Kenntnisse zur Bewältigung der Erkrankung. Im Selbstmanagementansatz ist die Vermittlung allgemeiner Problemlösekompetenzen wichtig, damit der Klient eingeständig Probleme bewältigen kann. Beide Ansätze sind sinnvoll und hilfreich.

Erkrankungen und beispielhafte Interventionen

Im Folgenden sind beispielhaft und willkürlich einige mögliche Erkrankungen und entsprechend mögliche Interventionen durch Betroffene oder Behandler und Helfer wiedergegeben:

 

Erkrankung beispielhafte Intervention
Krebserkrankung  Praktische Krankheitsbewältigung, Aufklärung über Krankheit; Umgang mit Folgen der Erkrankung (z.B. künstlicher Darmausgang)
Diabetes  Kenntnisvermittlung, Inanspruchnahme medizinischer Versorgung sicherstellen, Früherkennung.
AIDS  Krankheitsbewältigung, Bewältigung sozialer Probleme
Chronische Bronchitis  Abbau gesundheitsschädlichem Verhalten, Angstbewältigung, Complianceförderung (Compliance = Therapietreue, Befolgen von ärztlichen Anweisungen)
Zahnprobleme  Evtl. Abbau Dentalphobie
Erkrankungen mit Einfluss auf das äußere Erscheinungsbild  (z.B. Hautkrankheiten) Selbstsicherheit, soziale Kompetenz,
Compliance
Erkrankungen, die mit chronischen Schmerzen verbunden sind (z.B. Rheuma)  Schmerzmanagement; adäquater Umgang mit Schmerzmitteln.
Schizophrenie Medikamentencompliance, Rückfallprophylaxe, „Notfallplan“ bei Rückfall.

 

Welche Maßnahmen /Interventionen sind also generell (Hauptpunkte) und in der Beratung (Unterpunkte / kursiv) denkbar?

– „Psychoedukation“: Weiß der Betroffene über seine Erkrankung gut Bescheid (oder überhaupt, dass er/sie evtl. erkrankt ist) / hat alle nötigen Infos, über Erscheinungsbild, Symptome, Verlauf, Folgen?
o Darauf hinwirken, dass der Kunde sich über die Krankheit informiert / informiert wird.> z. B. Broschüre mitgeben, mitteilen wo Informationen erhältlich sind.
o Darauf hinwirken, dass der Kunde die Erkrankung richtig einschätzt und auch nicht ignoriert > z.B. Nachfragen: sich die Erkrankung mit den Folgen vom Kunden erklären lassen; Hat ein ausführlicheres Gespräch mit einem Arzt stattgefunden?
– Compliance sicherstellen (Mitwirkung bei notwendiger Behandlung):
o Darauf hinwirken, dass der Kunde adäquate medizinische / psychotherapeutische Leistungen in Anspruch nimmt und sich an die Absprachen hält, z. B. Nachfragen, ob Termine eingehalten werden, ob und wie Medikamente eingenommen werden, nachfragen welche Übungen gemacht werden. etc; Bei Problemen in der Compliance nach Gründen der Noncompliance fragen und den Kunden evtl. unterstützen diese zu beseitigen / zu überwinden
– Umgang mit Symptomen und Folgen: Weiß der Betroffene mit den (dauerhaften) Symptomen der Erkrankung umzugehen (z. B. künstlicher Darmausgang). Sind konkrete Hilfen zur Bewältigung der Symptome/ Behinderung bekannt und werden angewandt?
o Darauf hinwirken, dass der Kunde z.B. Trainings zum Umgang mit technischen Hilfsmitteln und praktischen Umgang mit den Folgen der Erkrankung teilnimmt
– Psychische/moralische Bewältigung der Erkrankung – Hat der Betroffene die Diagnose / die Krankheitsfolgen verkraftet? Wurde es psychisch / seelisch verarbeitet?
o Darauf hinwirken, dass der Kunde die psychischen Belastungen durch die Krankheit richtig einschätzt und sich diesbezüglich selber hilft / helfen lässt (Psychotherapie, Stressbewältigung > z.B. auf Möglichkeiten, wie Stressbewältigungskurs hinweisen)
o Kunden ermuntern, Stressmanagement, Entspannung, Belastungsmanagement als Ausgleich zum durch die Krankheit entstehenden Stress oder Schmerzmanagement bei chronischen Schmerzen zu erlernen bzw. anzuwenden
– Krankheitsrückfälle: Ist jemand auf Krankheitsrezidive (Krankheitsrückfälle, z. B. wiederkehrende Depression, manische Phasen, Psychosen, Neubildungen) vorbereitet? Kennt der Betroffene Anzeichen einer Verschlimmerung oder eines Rückfalls der Erkrankung? Ist klar, welche Maßnahmen dann zu treffen sind?
o Darauf hinwirken, dass der Kunde auf Rezidive (=Krankheitsrückfälle) vorbereitet ist z.B. nachfragen was der Kunde machen würde, falls die Erkrankung wieder auftritt. Auf Symptome wie Schlafstörungen als „Frühwarnzeichen“ hinweisen. Kunden ermutigen an entsprechenden Schulungen teilzunehmen.
– Reduktion unnötigen Vermeidungsverhaltens: Aufbau, Ausbau täglicher Aktivitäten
o Darauf hinwirken, dass der Kunde kein übertriebenes Schonverhalten entwickelt, z. B. nachfragen bzw. ermutigen auch den täglichen Anforderungen nachzugehen.
– Weitere Teilhabe am Leben: Sind diese Möglichkeiten klar und werden genutzt?
o Darauf hinwirken, dass der Kunde trotz der Einschränkungen (evtl. veränderte) Zukunftsperspektiven aufrechterhält / aufbaut, z. B. nach Zukunftsperspektive fragen / berufliche Perspektive diskutieren.
o Darauf hinwirken, dass die Versorgung des Kunden dauerhaft sichergestellt ist: Überprüfen, ob alltägliche Versorgung vorhanden ist, evtl. Unterstützung bei Renten- / Rehaantrag / Beantragung eines Behindertenausweises.
– (Soziale) Unterstützung: Gibt es eine adäquate soziale Unterstützung bei der Bewältigung der Krankheit?
o Darauf hinwirken, dass die soziale Unterstützung möglichst adäquat ist > z.B. nachfragen, wie Angehörige / Bekannte helfen bzw. helfen könnten.
– Insgesamt realistische und funktionale Einstellung gegenüber dem eigenem Zustand entwickeln: Selbstvertrauen erhalten, aufbauen, Zukunftsperspektiven behalten (nötigenfalls anpassen), eigene Belastungen durch Erkrankung nicht über- oder unterschätzen, Kohärenzgefühl behalten.