Mikropolitik

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Mikropolitik und Führung, hier insbesondere:

Referat „Akteursperspektive / Interessen“ im Seminar „Führung und Mikropolitik“

Akteursperspektive und Handlungsorientierung

Wer tut was? (Akteur) (Handlung)

Akteursperspektive- Handlungen werden aus der Sicht der Akteure analysiert. Der Akteur schafft/verändert durch sein Handeln Bedingungen. Es gibt so viele Wirklichkeiten, wie es Akteure gibt. Also gibt es anscheinend auch keine „objektive“ Analyse. Eine mögliche Gegenposition zur Akteursperspektive wäre die Sichtweise, Handlungen der Menschen eingebettet in Strukturen zu betrachten. Handlungsorientierung- Da der Fokus auf die Akteure, anstatt auf z.B. Systeme, gelenkt wird, stehen deren Handlungen im Vordergrund der Analyse. Strukturen und Systeme sind nicht gegeben, sondern werden durch Handlungen konkreter Akteure erzeugt und modifiziert. Ein Extrem dieser Auffassung ist z.B. in „Psychoratgeber-Bücher“ zu finden- „Wenn Du nur dran glaubst, kannst Du jedes Ziel erreichen!“ Einschränkungen der Handlungsfreiheit eines einzelnen Akteurs sind aber nicht nur durch physisch anwesende Akteure gegeben, sondern auch durch „abwesende Anwesende“. Probleme: – Wie findet ein Außenstehender „Abwesende Anwesende“? – Das Phänomen „nicht Handeln“ ist auch ein Handeln. Um die Situation korrekt zu analysieren, müssen alle möglichen Handlungspfade erkannt sein und Indizien für „nicht Handeln“ (z.B. Impulse, Phantasien) vorliegen. – Es gibt auch so viele Wirklichkeiten, wie es Beobachter gibt! – Allerdings sind im konkreten Handeln auch objektive Logiken zu finden (siehe unten).

Interessen

Wer tut was wozu/warum? (Akteur) (Handlung) (Interesse)

– Interessen – Warum, oder wozu wird etwas von jemandem getan? – Interessen in Bezug auf politisches Handeln (innerhalb des Betriebes/der Institution) – Es gilt „…die Möglichkeit kollektiven Handelns bei nicht vorauszusetzendem Konsens“! – Im Gegensatz dazu gibt es (in Betrieben) die Meinung, die sich in Formeln wie „Wir sitzen alle in einem Boot, wir haben ein Ziel“ widerspiegelt. – In der Realität sind Unternehmungen keine rein rationale, sachliche Veranstaltungen, hier treffen immer gewisse Interessen aufeinander!

fremde Interessen: – werden von Person als Zumutung, Zwang erlebt, weil sie den eigenen Interessen zunächst grundsätzlich gegenüber stehen! personalisiert – z.B. Vorgesetzte, welche die Person zu bestimmten Handlungen/ Leistungen auffordern (zwingen), wie z.B. Erhöhung der Sollstückzahlen. versachlicht – „selbstverständliche“ Handlungen (Handlungszwänge), die im Sinne fremder Interessen von Akteuren ausgeführt werden. z.B.: Pünktlichkeit, Ehrlichkeit. Dies wird z.B. durch die Stechuhr, Qualitätskontrolle überwacht, ist aber auch „natürlicherweise“ durch die Sozialisation gegeben. „Der stumme Zwang der Verhältnisse“

Selbstzwang – Werte, Normen, Glauben, Verhaltensweisen, Rechte bilden ein kollektives System, das zwar durch Sozialisation (also fremde Interessen) vermittelt wird, es aber auch den Individuen erleichtert eigene Interessen zu verfolgen. So hängt der Selbstzwang natürlich vom aktuellen System ab, in dem sich der Akteur befindet. (Früher waren Sorgfalt, Ehrgeiz, Gehorsamkeit Tugenden, heute Mitdenken, Flexibilität, Kompetenz)

eigene Interessen subjektive – Individuelle Interessen des Akteurs, die mehr kurzfristig formuliert sind. z.B. hohes Arbeitstempo mitzuhalten, um nicht aufzufallen oder mehr Geld zu verdienen. falsche Interessen-subjektive Interessen ( in der begrenzten Erlebenswelt) des Akteurs können internalisierte Fremdinteressen sein (siehe Selbstzwang!). z.B. Human Relation Bewegung: Viele Arbeiter wollen keine Veränderung ihrer objektiv eintönigen Fließbandarbeit, weil sie subjektiv Befriedigung an der Arbeit empfinden. objektive – Individuelle Interessen des Akteurs, die mehr langfristig formuliert sind. z.B. Gesundheit, Arbeitsplatzsicherung, soziale Integration. wahre Interessen – objektive Interessen sind Interessen des Akteurs, die nur aus der Metaebene zu verstehen sind, und so oft von außen herangetragen werden (müssen). „Zum Glück Zwingen“ . Beispiele: Eltern die ihre jugendlichen Kinder unterweisen, Diktator mit Vision.

Die Existenz der wahren Interessen manifestieren sich (wenn der Selbstzwang total wird) in Taten. z.B. psychosomatische Erkrankung, Fehlleistungen, Träume, Fehlzeiten, Unfälle.

Problem der objektiven/wahren Interessen: Konsensfindung.; Lösung: Negative Formulierung: „Was nicht sein sollte“ z.B. Menschenrechte

Wie klar zu erkennen ist, spielen (unausgesprochene) Handlungs- und Selbstzwänge d.h. Werte, Normen u.s.w. eine dominierende Rolle. Um als Akteur Interessen durchzusetzen, ist es notwendig, alle diese Zwänge (= Logiken ) zu berücksichtigen. Diese sind u.a. Kooperationslogik: Die Arbeit wird als konkreter Arbeitsprozeß angesehen. Die Arbeitsprozesse müssen koordiniert werden. Spezialisierungen, die auf Qualifikationen zurückzuführen sind, müssen kooperativ zusammenwirken. u.s.w. Verwertungslogik: Hier wird alles abstrakt betrachtet. Grundlegendes Gesetz ist es Mehrwert zu erzielen. Ein Arbeiter ist Verkäufer von Arbeitskraft. u.s.w. soziale Reproduktionslogik: In Betrieben spiegelt sich auch die soziale Rollenverteilung wieder. Die Arbeit gilt hier als soziale Praxis. Ein Arbeiter ist ein sozial Unterstellter u.s.w.

 

Literatur: Neuberger, O., Mikropolitik, Stuttgart, 1995, Enke-Verlag