Repression und Sensitization

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Repression-Sensitization – Persönlichkeitskonstrukt, Persönlichkeitsmodell bzw. Persönlichkeitsmerkmal

Einführung

Als Repression-Sensitization wird ein Persönlichkeitsmerkmal bezeichnet, dass das Maß angibt, in dem ein Mensch seine Aufmerksamkeit auf einen angstauslösenden Sachverhalt richtet. Wenn also die Aufmerksamkeit sehr stark auf die Angst gerichtet wird, gilt das als Sensitization, wenn die Aufmerksamkeit von der Angst abgezogen wird, als Repression (Krohne,1996) Angst wird hierbei als ein mehrstufiger Prozess gesehen. Genauso wie Angst in aufeinander folgenden Stufen entsteht (über körperliche Symptome hin zu kognitiven Einschätzungen), so wirkt auch eine Angstabwehrdisposition wie Repression-Sensitization in mehreren Stufen zurück zum Ursprung der Angst. Daher wird in der moderneren Sicht mit Repression- Sensitization v.a die obere Schicht der Wahrnehmung, d.h. die kognitive Verarbeitung erfasst (Krohne, 1975) um zu verdeutlichen mit welchem (gegensätzlichen) Verhalten die beiden Angstabwehrmechanismen zusammenhängen bzw. welches Verhalten aus ihnen resultieren kann nun folgende Tabelle

Tabelle 1: (Die Begriffe sind vorwiegend aus dem Wortschatz der Psychoanalyse entnommen, daher besteht keine Ansruch auf Vollständigkeit.)

Respression Sensitization
Verdrängung Isolierung
Verleugnung Intellektualisierung
Reaktionsbildung Kompensation
Verschiebung Depression (Selbstaggression)
Sublimierung Projektion
Identifikation (Reaktion im Sinne der sozialen Erwünschtheit) Phantasien
Rationalisierung zwangsneurotische Reaktionen
psychosomatische Störungen

Das gesunde Abwehrverhalten würde sich entsprechend der Situation, je nach Erfordernis, frei der angebrachtesten Bewältigungsstrategien bedienen können. Wobei Represser und Sensitizer ihr Verhalten konsistent zeigen.

Das Konstrukt wurde aus verschiedenen psychologischen Forschungsrichtungen entwickelt (siehe unten) Nach Meinung Sokolowskis kann man das Phänomen der Wahrnehmungsabwehr (Repression) auch entwicklungspsychologisch bis ins Kindesalter zurückverfolgen. So halten sich 4-5 jährige Kinder einfach die Ohren zu um unangenehme oder bedrohliche Reize wie z B. Belehrung von Seiten der Eltern abzuwehren (Sokolowski, 1992) Das erste Mal hat Jesse Gordon 1957 den Ausdruck Repression-Sensitization für dieses Persönlichkeitsmerkmal eingeführt.

Die Ursprünge des Konstruktes Repression-Sensitization

Die psychoanalytische Herleitung

Die Herleitung des Persönlichkeitsmerkmals Repression-Sensitization kann aus psychoanalytischen Persönlichkeitsfünktionsebenen hergeleitet werden. Nach der Lehre Freuds besteht die Persönlichkeit des Individuums aus dem dynamischen Wirken dreier Kräfte, dem Es, dem Ich und dem Über-Ich. Dabei repräsentiert das Es die Triebregungen und das Ich die realitätsorientierte Instanz, in der auch das Bewusstsein zu finden ist. Nach psychoanalytischer Sicht ist das Ich oft damit beschäftigt die Triebansprüche des Es abzuwehren. Es ist nicht möglich jeden Triebanspruch des Es nachzukommen. Das Ich bildet also Abwehrmechanismen aus. „Die Triebregungen halten mit der ihnen eigenen Zähigkeit und Energie an ihren Triebzielen fest und unternehmen feindliche Einfälle ins Ich, in der Hoffnung es zu überrumpeln und zu überwältigen. Andererseits unternimmt das misstrauisch gewordene Ich Gegenaktionen, Vorstöße nach dem Gebiet des Es hin. Seine Absicht ist die dauernde Lahmlegung von Trieben durch geeignete Abwehrmaßnahmen, die der Sicherung seiner Grenzen dienen sollen.” (A. Freud, 1964, S. 10). Auch wehrt damit das Ich die Gefühl s-Affekte, die Es-Regungen begleiten, ab. Der wichtige Affekt ist in diesem Zusammenhang Angst. Das Maß, in dem ein Individuum dazu neigt, diese internen Angstaffekte und auch Außenweltreize, die Angst verursachen, mit dem Ich abzuwehren, ist bei jedem Menschen verschieden ausgeprägt. Deshalb kann es als ein Persönlichkeitsmerkmal angesehen werden. In der Psychoanalyse sind hiermit die Begriffe Verdrängungs- und Abwehrmechanismen des Ichs verbunden, später entwickelte sich daraus das Persönlichkeitskonstrukt Repression-Sensitization (A.Freud, 1964).

 

Die wahrnehmungspsychologische Herleitung

In den 40er Jahren gab es einen Umschwung in der Wahrnehmungspsychologie. Die Wahrnehmungsprozesse wurden nun als „…adaptisch… aufgefaßt und nicht als rein sensorische, neuronale Abläufe” (Heinrich, 1996). Brunswick entwickelte 1947 eine funktionalistische Verhaltensinterpretation. Dieser Ansatz besagte, dass Persönlichkeitsmerkmale wie Ängstlichkeit oder Rigidität in Wahrnehmungsprozesse einfließen und somit können dadurch Persönlichkeitsmerkmale wie eben Ängstlichkeit etc. manifestiert werden (Krohne.1996).

 

Antagonistische Abwehrmechanismen

1951 formulierte Bruner die so genannte „Hypothesen-Informations-Theorie” . Die Hypothese, die ein Individuum zu einer Wahrnehmungssituation entwickelt, ist mitentscheidend für das Ergebnis des Wahrnehmungsprozesses. Hier eröffnet sich von der Wahrnehmungspsychologie zu der Psychoanalyse nun eine Brücke. Erikson 1951 greift diese Möglichkeit auf, um einen Bezug der Wahrnehmung zu den Abwehrmechanismen herzustellen. Er bringt hier nun die Verbindung des wahrnehmungspsychologischen Ansatzes von interindividuellen, an Persönlichkeitsmerkmalen festgemachten Wahrnehmungsunterschieden und klinischem Ansatz von Abwehrmechanismen zustande. Erikson entwickelt aus diesen Aspekten ein antagonistisches Persönlichkeitskonstrukt Individuen zeigen Angstabwehrmechanismen in einer bipolaren Weise. Einmal besteht die Möglichkeit, verstärkt Aufmerksamkeit auf Streßreize zu bringen, sich mit dem Reiz auseinanderzusetzen. Auf der anderen Seite gibt es die Möglichkeit den Reizen auszuweichen, sie zu verdrängen und zu vermeiden (Krohne,1996).

Experimentelle Paradigmen

Um dem Konstrukt auch einen empirischen Grund zu geben, wurden zahlreiche Experimente durchgeführt, die das Konstrukt der Wahrnehmungsabwehr belegen sollten. Erikson führte 1951 ein Experiment durch, in dem er ein klassisches Instrument der psychoanalytischen Schule, nämlich Wortassoziationstest, welche Maße der Angst messen, mit Wahrnehmungzeiten, in denen die gleichen Reize geboten wurden, korrelierte. Die Versuchspersonen wurden zuerst mit dem Wortassoziationstest konfrontiert. Hier wurden, unter neutralen Stimuli, jeweils acht Wörter aggressivem, unselbstständigem und homosexuellen, also kurz aversivem Charakters gegeben. Je länger eine Versuchsperson zögert, zu den gegebenen Stimuli zu assoziieren, desto höher sei ihr Maß an Angst. Danach wurden den Versuchspersonen neutrale Zeichnungen und Zeichnungen aggressiven, unselbstständigen und homosexuellen Inhaltes dargeboten. Hier nun wurde die Zeit gemessen, die gebraucht wurde, um die Bilder zu erkennen. Nun wurden die die Werte der beiden Versuchsreihen miteinander korreliert. Das Ergebnis war, dass die Versuchspersonen, die einen hohen Angstwert in dem Wortassoziationstest bekamen auch eine sehr hohe Wahrnehmungsschwelle hatten. Sie zeigten eine hohe „perceptual Defense” (Erikson 1966).

Ein Experiment das explizit zwei verschiedene Wahrnehmungsabwehrverhalten herausstellte, war das von Bruner und Postman 1947. Der Versuchsaufbau war etwa derselbe wie von Erikson 1951. Es wurden neben neutralen Stimuli wiederum Reize mit hohem emotionalem Gehalt präsentiert. Auch hier war zunächst das Ergebnis: Je länger die Reaktion in der Wortassoziation, desto größer die Wahrnehmungsschwelle. Allerdings wurde hier nun beobachtet, dass bei hoher Angstbesetzung ein Teil der Versuchspersonen auch eine hohe Erkennungsschwelle zeigte, ein anderer Teil aber bei höheren Angstbesetzungen nun immer niedrigere Wahrnehmungsschwellen zeigten. Die erste Gruppe zeigte nun, nach Meinung der Autoren, eine defensiven Wahrnehmungsprozess und die zweite Gruppe einen sensitiven Wahrnehmungsprozess bei angstbesetzten Wahrnehmungssituationen. Das wurde nun als Beleg für die Bipolarität des Konstrukts interpretiert (Krohne,1996).

Der Persönlichkeitsfragebogen Repression-Sensitizaton

Nachdem bis hierhin vor allem psychoanalytische Mittel zur Messung der Angstabwehr eingesetzt wurden, entwickelte Erikson 1954 ein Persönlichkeitsfragebogen Er entwickelte ein eindimensionales bipolares Konstrukt Einerseits benutzte er MMPI Skalen „Psychasthenie”(==seelische Schwache) und „Hysterie” um das Maß des Neurotizismus der Individuen zu untersuchen Dann ermittelte er das Maß der Ich-Starke anhand von Rohschach -Tests Nun mussten sich die Probanden an Aufgaben erinnern, die sie vorher zu losen hatten Dabei war das Ergebnis so, dass Versuchspersonen mit hoher Ich-Starke, hoher Hysterie und niedriger Psychastenie -Werten sich vor allem an die von ihnen gelosten Aufgaben erinnerten Daher wurde darauf geschlossen, dass diese Gruppe den Repressern zuzuordnen ist, weil sie die negativen Erlebnisse (ungelöste Aufgaben) nicht erinnerten Versuchspersonen mit hoher Psychastenie, geringe Ich- Starke und geringer Hysteriewerten vor allem die nicht gelosten Aufgaben erinnerten und daher den Sesitizern zugeordnet wurden Da es eine relativ eindeutige Beziehung der 3 Kategorien zum Phänomen Repression- Sensitisation gab ging Erikson so vor, dass er aus den 3 b z w 2 Skalen (da Ich-Starke und Hysterie stark korrelieten, wählte er nur die Hysterie- Skala) dann eine einzige Skala konstruierte Er zog die Werte der Psychasthenie-Skala von der Hysterie-Skala ab und bekam so ein bipolares eindimensionales Persönlichkeitskonstrukt (Krohne, 1975)

 

Korrelate zum Konstrukt

Nachdem also Erikson 1954 den Anfang gemacht hatte, wurden nun verschiedene Skalen erprobt 1964 setzte sich letztendlich die Skala von Byrne durch Eine deutsche Version davon existiert von Krohne 1974 (Krohne, 1996) Durch diese Skala war das Persönlichkeitsmerkmal Repression-Sensitization vorerst operationalisiert. Um die Repression-Sensitization-Skala nun zu validieren, wurden zahlreiche Experimente durchgeführt, die theoretisch zu erwartende Korrelationen auf verschiedenen Bereichen empirisch bestätigen sollten.

– Einige Beispiele zum Thema Wahrnehmen, Lernen und Erinnern wurden oben schon genannt.

– Auch im Bereich der Informationsverarbeitung konnte u a von Krohne & Schröder 1972 nachgewiesen werden, dass Represser beim Losen von Aufgaben nach wesentlich weniger Informationen suchen als Sensitizer Sensitizer haben dann aber mehr Probleme, die vielen Informationen unter der Bedingung des Vorhandenseins von Streß dann auch zu einem Konzept zusammen zu fügen Krohne konnte 1974 nachweisen , dass Represser bei der Beurteilung mehrdeutiger Reize eine höhere subjektive Sicherheit als Sensitizer hinsichtlich der Korrektheit ihrer eigenen Einschätzung haben Petzel und Gynther konnten 1968 zeigen, dass Represser beim Problemlosen eine Leistungsminderung bei Ich-orientierten im Gegensatz zu Aufgaben-orientierten Aufgaben zeigten Sensitizer zeigten ein direkt umgekehrtes Ergebnis (Krohne, 1975).

-1974 konnte Krohne in einem Experiment zeigen, dass Represser eine positivere Personeneinschatzung abgaben Der Repressor schätzt sich selber und auch andere Personen viel positiver ein als der Sensitizer Allerdings war das Ergebnis auch so, dass dieses Personenbild des Repressers wesentlich undifferenzierter war, als das des Sensitizers (Krohne, 1975).

-unter anderen Krone fand 1974, dass Represser starker als Sensitizer im Sinne der sozialen Erwünschtheit reagieren Parsons fand 1969, dass Sensitizer selber häufiger als Represser angeben, dass sie selber aggressiv seien Allerdings deuten einige Hinweise daraufhin, dass Represser eigentlich die wesentlich aggressiveren Typen sind (Krohne, 1975).

-Einen korrelativen Zusammenhang zu einem anderen Persönlichkeitsfragebogen konnten Sullivan und Roberts 1969 aufzeigen Sie fanden dabei eine Korrelation von +0 87 zwischen der Repression-Sensitization-Skala und der Manifest anxiety Scale, die das verbale Ängstlichkeitsmaß erfasst Dieses verbale Ängstlichkeitsmaß, nun wiederum, ist dem umfassenden Persönlichkeitskonzept „emotionale Anpassung” zuzuschreiben Auch Krohne verglich die Repression-Sensitization-Skala 1974 mit verschiedenen Skalen der „emotionalen Anpassung” und fand dabei signifikante Korrelationen (Krohne, 1975).

– Vergleicht man wie Weinstein 1968 die physiologischen Reaktionen mit den subjektiven Angaben der Individuen über den Grad der eigenen körperlichen Erregtheit, so stellt man fest, dass Sensitizer generell niedrige physiologische Angstmerkmale haben, wenn sie selber ein hohes Maß an Erregtheit angeben Bei Represser dagegen liegt der Grad an physiologischer Erregtheit meist hoher, als der subjektiv empfundene Wert (Krohne, 1975).

-In einer Studie von Mayo 1971 wird herausgestellt, dass Represser und Sensitizer verschieden auf Anzeichen einer Krankheit reagieren Entsprechend den zu erwartenden Annahmen zeigen sich Sensitizer hier sehr viel aktiver und besorgter als Represser Sensitizer suchen häufiger den Arzt auf, nehmen mehr Medikamente und zeigen mehr körperliche Symptome als Represser (Krohne, 1975)

Kritik am Konzept Repression- Sensitisation

Trotz der genannten erfolgreichen Untersuchungen zum Konstrukt Repression-Senstization blieb das ganze nicht unkritisiert Neben anderen Kritiken am Konstrukt, auf die spater noch eingegangen wird, haben auch Bucsn & Freye 1974 erwartungsnonkonforme Ergebnisse im Rahmen ihrer Untersuchungen gefunden Hier wird nun naher auf diese Studie eingegangen, um exemplarisch einen Fall zu zeigen, in dem Kritik am Konstrukt entsteht

Bucsn & Frye 1974

Bereits in der Einleitung des Artikels der Untersuchung wird darauf hingewiesen, dass das Persönlichkeitsmerkmal Repression-Sensitization weht nur als überdauernd gesehen werden darf, sondern (und hier wird auf Lazarus 1966 hingewiesen) auch von dem sozial-kognitiven Umfeld abhangt In diesem Zusammenhang werden Untersuchungsergebnisse von Palmer 1968 angegeben, der „ nur sehr geringe korrelative Zusammenhange zwischen den Ergebnissen 6 verschiedener Testverfahren zur Unterscheidung von defensiver und vigilanter [=wachsamer] Angstabwehr feststellen ” konnte (Bousein & Frye, 1974, S 340) Also könne das Repression-Sensitization-Konstrukt nicht einfach als situationsunabhangig angesehen werden.

Auch weisen die Autoren in ihrer Einleitung auf eine Kritik hin, die auch hier später besprochen werden soll, nämlich der hohen Korrelation derRepression-Sensitization-Skala mit mehreren Angst-Skalen So könne man davon ausgehen, dass Repression-Sensitization nicht von dem Konstrukt der „Emotionalität” unterschieden werden kann (Bucsn & Frye, 1974).

Die Autoren geben an, dass sie die Beziehung zwischen habituellen Persönlichkeitsmerkmalen und Stressreaktionen untersuchen wollen, wobei vor allem die Tauglichkeit einer deutschen Übersetzung der Repression-Sensitization-Skala geprüft werden sollte Ferner heißt es „Insbesondere sollte die Hypothese geprüft werden, dass Represser und Sensitizer zwar vergleichbare physiologische Reaktionen zeigen, Sensitizer jedoch eine höhere subjektive Erregung angeben als Represser” (Bucsn & Frye, 1974, S 343)

Zur Methodik

-Versuchsaufbau: Um die Represser und Sensitizer in eine Stresssituation b z w Kontrollsituation zu bringen, wurde ihnen die Aufgabe gestellt Anagramme zu losen Hierbei wurde die Induktion von Misserfolg als Stressor gewählt Die Versuchspersonen hatten in 2 Durchgängen jeweils 13 Anagramme zu losen, wobei jeweils 6 von Ihnen unlösbar waren (siehe Tabelle) Jedes Anagramm wurde jeweils 16 Sekunden gezeigt und alle 30 Sekunden erschien das nächste Anagramm (Bucsn & Frye, 1974) Tabelle 2: zu losende Anagramme. In Klammern die Losungen! U für unlösbar! ( Bucsn &Frye, 1974)

1. Serie NEKRO(KRONE), UCHEL(UNLOSBAR), BENAR(NARBE), AUBST(STAUB), RASKE(U), LHAGE(HAGEL), MUSKI(MUSIK), GAKRI(U), HIGNE(U), ENLAK(LAKEN). KTZEA(KATZE), TUMBS(U), AÜZDR(U)

2 Serie AMPFE(U), LECKF(FLECK), ITERL(LITER), LHOTE(HOTEL), STFIA(U), SPARU(U) , EGURK(GURKE), MASRI(U), TDURS(DURST), CHDEI(DEICH), BUCEH(BUCHE), LOGNE(U) , GUNMA(U)

Die Streßvariable wurde nun so induziert, dass der Stressgruppe und der Kontrollgruppe zwischen den Durchgängen verschiedene Ruckmeldungen gemacht wurden, die sie, unter dem Eindruck des gerade entstandenen Misserfolges durch die nicht gelosten Anagramme, verschieden stark unter streß setzte (Bousein & Frye, 1974)

Abbildung l: (Bucsn & Frye, 1974):

Bei der Streßgruppe sagte der Versuchsleiter:

  • Ich muss den Versuch an dieser Stelle abbrechen, weil sie zu wenig Anagramme losen Bleiben Sie bitte liegen, wir müssen noch einmal von vorne beginnen Ich habe absichtlich leichte Anagramme aus einem Intelligenztest genommen, da ich vor allem an physiologischen Vorgängen interessiert bin . die bei der Losung der Aufgaben auftreten Damit ich ihre Daten überhaupt verwerten kann, müssen sie mehr Aufgaben losen Ich werde deshalb jetzt noch leichtere Anagramme wählen Hoffentlich können sie die dann lösen!

Bei der Kontrollgruppe sagt erfolgendes:

  • Das war der erste Teil des Versuchs Sicher haben sie bemerkt, dass einige Aufgaben so schwer waren, dass sie in der kurzen Zeit, die Ihnen zur Verfügung stand, gar nicht alle losen konnten Ich habe absichtlich leichte und schwierige Aufgaben ausgewählt, da ich an physiologischen Vorgängen interessiert bin, die bei der Bearbeitung leichter und schwieriger Aufgaben auftreten Ich mochte Sie nach einer kurzen Pause bitten, noch weitere Anagramme zu bearbeiten!

-Persönlichkeitsmerkmale: Zur Erfassung von Persönlichkeitsmerkmalen wurden vor dem eigentlichen Haupttest eine Erfassung von verschiedenen Persönlichkeitsmerkmalen durchgeführt Dies geschah mit Hilfe von verschiedenen Fragebogen Unter anderen der Repression-Sensitization-Skala, dem FPI-N zur Erfassung des „Neurotizismus” und dem MAS zur Messung der Angst (Bucsn & Frye,1974) Nachdem die Versuchspersonen, 58 Studenten der Universität Dusseldorf, nun in die Gruppen Represser, Sensitizer, und „unspecific defenders” unterteilt waren, wurde der Haupttest durchgeführt

-Physiologische und psychologische Messungen während des Experiments Um die physiologischen Reaktionen der Probanden zu erfassen wurde vor dem Durchgang und währenddessen Messungen zur körperlichen Erregtheit durchgeführt (u a psychogalvanischer Hautwiderstand, Herzfrequenz) Auch wurden Fragebogen zur Erfassung des psychischen Zustandes vor und wahrend des Durchganges erhoben, nämlich einer Eigenschaftswörterliste EWL, einer Befindlichkeitsskalierung BSK und einer Liste körperlicher Symptome LKS Mit der EWL und der BSK werden die Gefühlslage des Probanden erfasst, mit der BSK wird die subjektive Wahrnehmung über die eigene körperliche Befindlichkeit erfasst

Ergebnisse & Diskussion

Wie oben bereits erwähnt, hatten die Autoren die Hypothese, dass das Persönlichkeitskonstrukt, gemessen anhand vom Repression-Sensitization-Fragebogen, nicht von Ergebnissen anderer Fragebogen zu trennen ist, welche Ängstlichkeit und Emotionalität messen Wenn man Tabelle betrachtet, sieht man, dass es in der Tat so war, dass der FPI-N (zur Erfassung des Neurotizismus) in der Hohe der Wiederholungszuverlässigkeit des Repression-Sensitization-Skala mit sich selbst mit der Repression-Sensitization-Skala korreliert Auch die Korrelation der MAS mit der Repression-Sensitization-Skala war signifikant!

Tabelle 3: (Bucsn & Frye, 1974)

Lugen SD MAS FPI-E FPI-N
Rep -Sen -.32 -.40 .78 -.30 .83
p<.05 p<.01 p<.001 p<.05 p<.001

Die Auswertung der Fragebogen vor der Durchführung ergab ein signifikantes Abweichen der Sensitizer von den restlichen Die Sensitizer geben schon im Ruhezustand viel höhere negative Werte an als Represser Sie fühlen sich u a weniger aktiviert, sind verträumter, haben schlechtere Stimmung und viel weniger Selbstsicherheit als Represser Auch in der subjektiven Beurteilung des eigenen Wohlbefindens zeigen Sensitizer viel negativere Beurteilungen.

Im allgemeinen ergaben die Messergebnisse, dass die Stressbedingung bei allen Probanden einen negativen Effekt ausloste Es konnten jedoch kaum Unterschiede von Repressem zu Sensitizern bezüglich der Reaktion auf den Stress gefunden werden Erstaunlicherweise ergab auch die Messung der Diskrepanz zwischen den körperlichen Reaktionen und der angegebenen Stimmung ein überraschendes Ergebnis Entgegen der Hypothese, dass es zwischen körperlicher Reaktion und Persönlichkeitsmerkmal keinen Unterschied gebe, waren die Ergebnisse so, dass Sensitizer eine höhere körperliche Reaktion auf die Stressbedingung zeigten als Represser und unspecific defenders. So ist eine Grundannahme für das Konstrukt nicht bestätigt worden Ebenfalls entgegen der Hypothese wurde weiterhin gefunden, dass es nur l von 15 Befindlichkeitsitems gab, die eine signifikante Abweichung von den autonomen Reaktionen zeigen Und noch erstaunlicher war, dass dieser Item (gesteigerte Aggressivität) bei Repressern gefunden wurde Demnach war das subjektive Empfinden hier großer ausgeprägt als die körperliche Sressreaktion Das war ein erstaunliches ergebnis, denn laut Hypothese mussten es eigentlich die Sensitizer sein, die eine höhere subjektive Einschätzung abgeben (Bucsn & Frye, 1974).

Für Bucsn &Frye also „ erweisen sich die von Byrne postulierten gegensätzlichen Verhaltensweisen von Repressern und Sensitizern bedrohlichen Hinweisreizen gegenüber als wenig geeignet, die Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung befriedigend zu erklären ” (Bucsn & Frey ,1974, S360)

weitere Kritik

Es wurde also mit der Zeit Kritik gegenüber dem Konstrukt Repression-Sensitization, zumindest wie es derzeit operationalisiert war, laut Eine Reihe von Untersuchungen konnten die aus dem Konstrukt abgeleiteten Hypothesen nicht bestätigen Wie bereits gezeigt hatten auch Bucsn & Frye einige Sachverhalte gefunden, die nicht zur Vorhersage im Sinne des Konstruktes passen.

Zum einen gab von Bucsn & Frye Kritik an der Postulation der Persönlichkeitshabitus des Merkmals Repression-Sensitization Es wird hier vorgeschlagen, in dem Merkmal Repression-Sensitization eher eine situationsabhängige Angst Verarbeitungsreaktion zu sehen In einigen Untersuchungen deuteten die Ergebnisse eher auf die Situationsabhängigkeit hin (Krohne ,1975).

Ein weiterer Kritikpunkt, der auch von Bucsn & Frye aufgeworfen wurde, ist die hohe Korrelation der Repression-Sensitization-Skala mit Skalen, welche die emotionale Anpassung erfassen „Die Konfündierung der Merkmale Repression-Sensitization und Ängstlichkeit, die sich in hohen Korrelationen zwischen entsprechenden Indikatoren niederschlagt, hat viele Autoren dazu veranlasst, beide Konstrukte als weitgehend identisch aufzufassen ” (Krohne, 1996 , S 161) Bucsn & Frye speziell machen hier den Vorschlag Repression-Sensitization als Primarfaktor, zusammen mit weiteren Faktoren wie „Ich-Stärke” oder „Furchtsamkeit” für den Sekundärfaktor „Emotionalität” einzuordnen (Krohhne, 1996).

Dass das Merkmal Repression -Sensitization nur auf dem Q-Daten Niveau (=Selbstaussagen) erfasst wird, ist ebenfalls zur Kritik gestellt worden. So erfasst der Repression-Sensitization- Fragebogen folglich nur bewußte Kognitionen und kann unbewusste Bewegrunde nicht erfassen, was aber notwendig wäre um dem Konstrukt gerecht zu werden (Krohne, 1975)

Ursprünglich ist das Konstrukt Repression-Sensitization als bipolares Konstrukt entworfen worden Die bereits erwähnten Korrelationen mit „emotionaler Anpassung”, welche die emotionale Gestörtheit von Individuen erfasst, sind linear zu Repression-Sensitization Das wurde aber bedeuten, dass Sensitizer am meisten, danach Nichtspezifische und am wenigsten Represser emotional gestört sind Das widerspricht der eigentlichen Hypothese der Bipolarität des Konstruktes, wonach die emotionale Anpassung eher kurvilinear zu Repression-Sensitization verlaufen musste So mussten es eigentlich die unspezifischen Abwehrer sein, die am emotional „gesündesten” sind (Krohne 1996).

Allerdings wird von Krohne weiterhin auch kritisch bemerkt, dass die mangelhafte theoretische Verankerung vieler Untersuchengen zu falschen Aussagen geführt hat Die aufgestellten Hypothesen wurden nicht stringent genug an dem Konstrukt angelehnt sein, sondern falsche Interpretationen widerspiegeln Als Beispiel wird hier ein Versuch von Clark und Neuringer 1971 angerührt, wo die aufgestellte Hypothese war, dass Sensitizer in Intelligenztest besser abschneiden sollten als Represser. Das hypothesennonkonforme Ergebnis wird von Krohne dadurch aufgelost, indem er erklärt, dass für komplexe kognitive Leistungen vor allem die Fähigkeit der Kontrolle der Emotionen entscheidend ist und von daher die hier viel besser kontrollierenden Represser besser abschneiden (Krohne, 1996)

Der Mehrvariablenansatz

Wegen der hohen Korrelation der Repression-Sensitization-Skala mit Skalen der Ängstlichkeitsmessung ergibt sich, dass Repression-Sensitization auch durch Ängstlichkeitstest ermittelt werden kann Da jedoch die Inhalte der Konstrukte deutlich voneinander differieren, ist es natürlich weiterhin sinnvoll die beiden Konstrukte zu unterscheiden Als Alternative wurde nun ein neuer Messansatz vorgeschlagen Es wird einmal die Ängstlichkeit als Persönlichkeitsmerkmal mittels eines Fragebogens ermittelt und andererseits das Maß der Angstleugnung mittels eines Fragebogens Diese beiden Maße korrelieren nicht miteinander und so erhalt man vier Einteilungen

  • Niedrigängstliche und niedrig Angstleugnende, sie werden „wirklich Niedrigängstliche” genannt -Niedrigängstliche aber hoch Angstleugnende entsprachen den aus dem Repression-Sensitization-Konstrukt entwickelten Repressern
  • die Hochängstlichen und niedrig Angstleugnenden sind diejenigen, die herkömmlich als Sensitizer bezeichnet wurden
  • Hochängstliche und hoch Angstleugnende sind demnach die „erfolglosen Bewältiger” oder Hochängstliche

Die dazu durchgeführtem Versuche konnten das Modell aber nicht lückenlos bestätigen Vor allem war es schwierig Represser von Nichtdefensiven und Sensitizer von Niedrigängstlichen zu trennen (Krohne, 1996)

Repression-Sensitization im Zeichen der Kognitionspsychologie

Wie bereits gesehen, blieb das Konstrukt Repression-Sensitization nicht unkritisiert So ist es auch nicht verwunderlich, dass im Zuge des Wandels in der Psychologie im allgemeinen hin zur Kognitionspsychologie, auch die herkömmlichen Angstbewältigungstheorien in die Kritik gerieten Das vorgestellte Konstrukt stammt ja, wie bereits erwähnt zu einem gewichtigen Anteil aus der psychoanalytischen Richtung Man kann vor allem Kritik an die Starrheit des Konstrukts wenden, denn es unterteilt Persönlichkeitstypen bezüglich ihres Abwehrmechanismus generell in 2 Klassen Zum einen die Personen, die im Sinne des Coping (=bewältigen) reagieren und zum andere Individuen, die vor allem defensiv reagieren Diese einfache eindimensionale Einteilung stoßt im Sinne der Kognitionspsychologie auf Widerspruch Angezeigter wäre es hier, die charakteristische Art der Bewältigung von Individuen in Stresssituationen zu erfassen Das bedeutet vor allem die Beobachtung über verschiedene Bedingungen hinweg Die Frage ist zu klaren, ob es ein konstantes oder ßukiuierendes Verhalten ist Die Interaktion zwischen spezifischer Situation und Individuum gilt es zu klaren (Krohne, 1996).

Den entscheidenden Ansatz für weitere Überlegungen zum Konstrukt Repression-Sensitization kommt u a von einem Stressbewältigungsmodell, dass Lazarus entwickelte „Bewältigung [=Coping] bezieht sich auf den Wunsch, den Anforderungen unserer Welt so zu begegnen, dass negative Konsequenzen vermieden werden (Lazarus &Folkmann 1984). Es gibt viele verschiedene Techniken der Bewältigung, von denen einige für bestimmte Personen in bestimmten Situation effektiver sind als andere.” (Zimbardo, S.587). Die Betonung der Interaktion zwischen Person und Situation ist in diesem Zitat gut zu erkennen. Die Bewältigungsstrategien werden nun unterschieden in zwei verschiedene Typen. Einmal den Typ problemzentriert, der Stress dadurch bewältigt, indem er sein Ziel darin sieht, das Problem, welches den Streß verursacht wirklich, zu lösen. Zum anderen den Typ emotionszentriert, der versucht, das durch das Problem verursachte Unbehagen zu verringern. Der eine Typ bewegt sich also auf den Stress zu, der andere versucht davor zu fliehen (Zimbardo, 1995). Die Tabelle gibt die beiden Typen und ihre Verhaltensweise wieder!

Tabelle 4: (Zimbardo, 1995)

Problemzentrierte Bewältigungsstrategien Emotionszentrierte Bewältigungsstrategien
Kämpfen Versuch von Entspannung, Drogeneinnahme
Flüchten kognitive Ablenkung, Phantasien
Suche nach Alternativen(Verhandeln, Kompromisse) Unbewußte Prozesse: Verzerrung der Realität. Führt zu innerpsychischem Stress

Nun wurde also versucht, das alte Konzept Repression-Sensitization in die neue Kognitionspsychologie zu integrieren.

Monitoring & Blunting

Zunächst eine Studie von Miller 1989, die, auch auf die Interaktion zwischen Person und Situation Wert legend, sich noch vor allem mit den interindividuellen Unterschieden beim Umgang mit Stressfaktoren beschäftigt.

Nach der Monitoring-Blunting-Hypothese gibt es Unterschiede der Stressbewältigung. Zum einen das Blunting. Ein Biunter versucht den Streßreizen auszuweichen. Dies wird durch intrapsychische Maßnahmen wie Ablenkung von der Gefahrenquelle, Verleugnung oder Umdeutung erreicht. Der Blunter versucht also durch Nichtbeachtung den Stressreizen auszuweichen. Dagegen versucht der Monitorer sich zum Streß hinzubewegen. Er braucht Informationen um die Gefahrenquelle eventuell zu überwachen oder wenigstens darüber informiert zu sein. Es kommt nun ferner darauf an, welches der beide Verhaltensweisen in der entsprechenden aversiven Situation adaptiv (angepasst) ist. Während bei Stressreizen, die kontrollierbar sind, das Monitoring zu bevorzugen ist, gibt es auch Situationen in denen die Stresssituation ( z.B. vor einer Operation) nicht zu kontrollieren ist, und die angebrachte Verhaltensweise wäre hier das Blunting. Durch das Blunting wird das Erregungsniveau des Individuums möglichst niedrig gehalten. Während das beim Blunting leicht nachzuvollziehen ist, wird beim Monitoring das Erregungsniveau erst einmal durch die Information steigen, sich danach aber auch deutlich senken. Es herrscht so bei Individuen ein interindividueller Unterschied in Bezug auf die Neigung oder Fähigkeit in der einen oder anderen Weise zu reagieren (Krohne, 1996) Es wurde also zur Erfassung dieser Persönlichkeitsdisposition eine Skala von Miller entworfen. Die MllerBehhaviouralStyleScale (MBSS) stellt vier fiktive unkontrollierbare Streßreize (Z B Turbulenzen bei einem Flug) dar, auf die jeweils acht Feststellungen zu unterstutzen b z w abzulehnen sind Von diesen acht Feststellungen werden in der Analyse vier als typisches Monitoring-Verhalten und die anderen vier als typisches Blunting-Verhalten bewertet( z B Das Verhalten des Flugbegleiters beobachten als Monitoring, Den Bordfilm ansehen als Blunting) Das Ergebnis wird letztlich dadurch ermittelt, dass der Score des Blunting Ergebnis vom Ergebnis des Monitoring abgezogen wird, ähnlich dem Repression -Sensitization Score Die Korrelationen zu der Repression-Sensitization Skala, wie auch zu Ängstlichkeitsskalen, sind aber unbedeutend (Krohne.1996) Die Validität der MB S S wurde anhand von realen Stresssituationen überprüft Eine Situation war die bereits erwähnte „vor einem operativen Eingriff’ Diese Situation war generell schon einmal relativ unkontrollierbar, sollte also den Blunters von vornherein eine bessere Ausgangslage verschaffen Die Ergebnisse wurden mit subjektiven und objektiven Indikatoren gemessen und waren so, dass, eben aufgrund der Unkontrollierbarkeit, das Maß des Stresses bei allen stieg, wenn sie umfangreiche Informationen bekamen Wie bereits erläutert, wird auch bestätigt, dass Monitorers hier generell stärkere Streßmaße zeigen Blunters im speziellen zeigen dann auch weniger Erregheit, wenn sie weniger Informationen erhalten, Blunters dagegen reagieren weniger erregt, wenn sie viele Informationen erhalten (Krohne, 1996)

Die Kritik, die an dem Konstrukt von Miller geübt werden kann, ist die, dass die Ermittlung der Skala im Grunde die gleichen Schwachen aufweist wie die der Repression-Sensitization Es wird ein Differenz-Score gebildet und so erhalt man wieder ein eindimensionales Konstrukt mit seinen bekannten Schwachen Ein weiterer Kritikpunkt zielt auf die Validitat der Skala Es sind in der Skala vor allem Situationen angegeben, die unkontrollierbar sind und keine, die kontrollierbar sind So ist die Verhaltensweise Blunting von vornherein adaptiver als Monitoring und es kann also nicht 100% von einem Persönlichkeitshabitus ausgegangen werden, der gemessen wird Es kann hier nicht erfasst werden, ob ein Blunter aufgrund der Situation oder aufgrund seines Personlichkeitsmerkmals reagiert (Krohne.1996)

Das Modell der Bewältigungsmodi nach Krohne

Ein Modell von H W Krohne setzt die Begriffe Repression-Sensitization wieder explizit ein Allerdings ist dieses Modell durch einige Eigenschaften deutlich von dem ursprünglichen Modell unterschieden

Grundgedanke ist wiederum der, dass es eine Frage der Aufmerksamkeitsausrichtung ist, die die Frage der Stressbewältigung lost Hier werden neue Begriffe eingeführt Es besteht zum einen die Möglichkeit vigilant und mit kognitiver Vermeidung (=Abwendung vom Stress) zu reagieren Das ist ähnlich den bekannten Konstrukten Diese beiden Verhaltensweisen werden wiederum auch als Persönlichkeitshabitus aufgefasst Hier kommt nun aber eine Neuerung zum tragen Die beiden Verhaltensweisen können separat in jedem Individuum vorhanden sein So wird die ursprünglich aus dem Konzept Repression-Sensitization interpretierte bipolare Eindimensionalität jetzt zugunsten einer zweidimensionalen Disposition ersetzt Was das Konzept weiterhin deutlich von den herkömmlichen unterscheidet, ist dass die Dimensionen Vigilanz und kognitive Vermeidung auf eine explikative Basis bezogen werden Es wurde bis dato lediglich deskriptiv erfaßt, dass Personen sich von Stress abwenden oder hinwenden Lediglich die psychoanalytische Herleitung bietet eine Erklärung dafür Nun wird auch dieses modernere Modell kognitivpsychologischer Herkunft , durch eine Erklärung hergeleitet (siehe unten) (Krohne,1996)

Stress wird hier im Sinne der oben erwähnten kognitionspsychologischen als in zwei Punkten relevant für Individuen angesehen. Zum einen durch die Anwesenheit von aversiven Reizen und zum anderen durch einen erhöhten Grad der Mehrdeutigkeit Und so erlebt das Individuum dadurch zum einen die Wahrnehmung körperlicher Erregung und zum anderen ein Erlebeben von Unsicherheit Diese beiden ursprünglichen Ängste können sich nun verstärken Zum einen beseht die Möglichkeit, dass das Erleben von Unsicherheit weitere komplexere Kognitionen zum Stressthema verursacht und so entsteht ein „fear of danger” Zum anderem besteht die Möglichkeit, dass bei der Wahrnehmung körperlicher Erregung die Angst vor einer weiteren Zunahme der Erregung auftaucht, dem so genannten „Fear of fear” So können beide Dimensionen auf einer Skala in ihren Ausprägungen von sehr gering bis sehr hoch variieren Jetzt wird postuliert, dass die „fear of danger” also Vigilanz im Verhalten auslost und die „fear of fear” zur eher kognitiven Vermeidung führt Ganz im Sinne der oben erwähnten Bewältigungsstrategien problemzentriert und emotionszentriert wird auch in diesem Modell von zwei verschiedenen Verhalten gesprochen um Angst zu reduzieren Der Autor nennt sie hier „unsicherheitsmotiviertes Verhalten” und „erregungsmotiviertes Verhalten” Unsicherheitsmotivierte reagieren mit erhöhter Vigilanz Sie beobachten und konstruieren die aversive Situation auch vor, um nicht negativ überrascht zu werden So verfolgen sie das Ziel, einen weiteren Anstieg der eigenen Unsicherheit zu vermeiden So ist der Erregungsmotivierte vor allem darauf bedacht, sich vor den negative Emotionen auslosenden Stimuli abzuschirmen Sobald er die körperliche Resonanz auf den Stress spurt, setzt sich die kognitive Vermeidung in Gang Nun ist es so, dass die beiden verschiedenen Störungen des System, also durch körperliche Erregung und erhöhter Unsicherheit können „ im allgemeinen nicht gleichzeitig reguliert werden” (Krohne, 1996, S 171) Wird die körperliche Erregung mit Hilfe der kognitiven Vermeidung reguliert, weil das Individuum eine „Fear of Fear” bedruckt, so geht das einher mit der Erhöhung der Unsicherheit der Situation Dasselbe gilt natürlich auch umgekehrt Aus diesen verschieden Faktoren wurde nun vom Autor ein Modell entworfen, das die Dimensionen Vigilanz und kognitive Vermeidung explikativ durch die so genannte „ Unsicherheitsintoleranz ” b z w durch die „Erregungsintoleranz ” darstellt.

Es wird nun als Erklärung des mehr oder weniger ausgeprägten vigilanten bzw. kognitiv vermeidenden Verhalten eine erhöhte Unsicherheitstoleranz bzw. Erregungstoleranz des Individuums angenommen. Personen unterscheiden sich also habituell in der Eigenschaft eine erhöhte Intoleranz gegenüber den beiden Dimensionen Unsicherheit und Erregtheit zu haben. Man sieht auch weiterhin, dass Personen mit dem Habitus erhöhter Unsicherheitsintoleranz auf der Verhaltensebene vor allem auf vigilante Bewältigung setzen. Personen, die eher mit kognitiver Vermeidung auf Stress reagieren wird, gemäß dem Modell, eine erhöhte emotionale Erregungsintoleranz als Persönlichkeitshabitus zugewiesen. Wir finden auch die bekannten Ausdrücke Represser und Sensitizer in dieser Darstellung wieder. Sensitization ist die Konstellation erhöhter Unsicherheitsintoleranz und abgeschwächter Erregungsintoleranz. Die Sensitizer bedienen sich so mehr der vigilanten Bewältigungsmethode und weniger der kognitiven Vermeidung Es ist also wahrscheinlich, dass der Sensitizer in einer Stresssituation zu einer konsistenten Überwachung des Stressors neigt Die Represser hingegen zeichnen sich durch eine erhöhte Intoleranz gegenüber emotionaler Erregung und durch ein große Toleranz gegenüber Unsicherheit aus Der Represser verhalt sich also entgegen dem Sensitizer so, dass er auf eine Aufmerksamkeitserhohung verzichtet und eine hohe kognitive Vermeidung zeigt Der Represser wird in Stresssituationen zu einer konsistente Vermeidung weiterer Erregungserhöhung neigen.

Durch die Zweidimensionalität des vorliegenden Modells sind nun auch noch andere Habitus- und Verhaltens-Konstellationen möglich So kann es auch Individuen geben, die sich durch eine erhöhte Unsicherheitsintoleranz und eine hohe Erregungsintoleranz auszeichnen Diese Kombination wird nun als Ängstlichkeit im allgemeinen bezeichnet Dieser Typus kann auf der Verhaltensebene weder konstant vigilantes noch konstant kognitiv Vermeidendes Verhalten lange akzeptieren, weil mit dem Einsatz beispielsweise der Strategie Vigilanz zwar dem Bedürfnis der Reaktion auf die hohe Unsicherheitsintoleranz nachgekommen wird, andererseits aber kommt es dadurch zu einer erhöhten Erregung der Person, was sie, aufgrund der ebenfalls hoch gelagerten Erregungsintoleranz auch nicht lange ertragen kann So wird hier mit einem standig wechselndem, einem fluktuierendem Bewältigungsstil gearbeitet.

Individuen, die Unsicherheit und Erregung verhältnismäßig gut tolerieren können, werden als Nichtdefensive eingestuft Sie können am besten mit Stress umgehen und am ehesten dem rationalsten Bewältigungsmuster folgen, weil sie auf der Verhaltensebene, wenn für sie, eben aufgrund ihrer gesenkten Angst, überhaupt notwendig, mit dem in der Situation gerade optimalen Bewältigungs-Muster reagieren können So ist ihre Stressbewältigungsstrategie relativ variabel und sie können eine situationsbezogene Vermeidungsstrategie einsetzen (Krohne.1996)

Die Messung der Merkmale

Natürlich taucht nun die Frage nach einer zuverlässigen Messung des Konstrukts der Bewältigungsmodi auf Auch in diesem Fall wurde ein Fragebogen entwickelt Er durfte nun aber nicht wieder die gleichen Schwachen haben, wie die vorhergehenden Fragebogen Wiederum entschied man sich für einen Stimulus-Response Inventar, welches diesmal aber umfangreicher war und neue theoretische Überlegungen in seiner Gestaltung berücksichtigte Der Angst Bewältigungsinventar (ABI) ist in Abbildung zu einem Teil wiedergegeben Eine von acht fiktiven Stresssituationen und die 18 möglichen Reaktionen sind (vom mir ins Deutsche übersetzt) in der Abbildung zu finden Was zunächst einmal zu erwähnen ist, ist die Tatsache, das versucht wurde, die Situationen nicht nur unkontrollierte sein zu lassen Im Gegensatz zum Inventar des MBSS werden hier acht verschiedene Stresssituationen angegeben die viermal eher kontrollierbarer und viermal eher unkontrollierbarer sind Die Situation, die unten angegeben ist, wäre verhältnismäßig kontrollierbar, wenn man eine andere Situation (z B wahrend eines unruhigen Fluges) zum Vergleich heranzieht Auch wurde darauf geachtet, dass die Stresssituationen sowohl Selbstwert- als auch physisch- bedrohend sind Die möglichen Reaktionen lassen sich nun also mehr der Vigilanz oder der kognitiven Vermeidung zuordnen Nr 3 wäre eher der kognitiven Vermeidung zuzuordnen wobei Nr 14 eher der Vigilanz zuzuordnen ist Unter den 18 Reaktionsmöglichkeiten sind 9 vigilantem und 9 kognitiv vermeidendem Verhalten zugeordnet. Es werden also die Scores für Vigilanz und kognitive Vermeidung unabhängig voneinander aufsummiert und so erfasst, wer Represser, Sensitizer, Ängstlich oder Nicht-defensiv ist. Der Test hat eine interne Konsistenz von r= 85 und eine Retestreliabilitat von r= 65 Durch eine Hauptkomponenten-Analyse mit anschließender Varimax- Rotation wurde die Unabhängigkeit der beiden Persönlichkeitsdimensionen Vigilanz und kognitive Vermeidung bestätigt (Krohne,1993, Krohne,1996)

Abbildung 4: (Krohne, 1993) Stellen sie sich vor, Sie sitzen neben einem offensichtlich unerfahrenen Fahrer als Front-Beifahrer in einem Auto Die Straßenverhältnisse sind, bedingt durch Schnee und Eis, schlecht

In dieser Situation …

  • 1 erinnere ich mich an ähnliche Situationen ,die ich früher schon einmal erlebt habe
  • 2 sage ich mir „Es wird schon nichts Schlimmes passieren!”
  • 3 bin ich froh, dass ich meine Ruhe nicht so schnell verliere, wie andere
  • 4 denke ich „Immer passiert mir so was l”
  • 5 sage ich mir selbst „Gott sei Dank, er fährt Ja nicht allzu schnell l”
  • 6 beobachte ich genau das Verhalten des Fahrers und versuche schon im voraus zu sagen .wann er den Fehler macht
  • 7 denke ich, dass ich diese Situation nicht so gut vertragen kann, wie die meisten meiner Bekannten
  • 8 höre ich auf die Straße zu schauen und denke lieber an was anderes, oder schaue mir die Landschaften
  • 9 bleibe ich völlig ruhig
  • 10 sage ich mir selber „bei so einem Wetter werde ich in Zukunft nur noch selber fahren, nie mehr als Beifahrer'”
  • 11 wurde ich gerne sagen „Halt ich will hier raus'”
  • 12 sage ich/u mir „Als Beifahrer betrachtet man das Fahren des Fahrers oft zu schlecht In Wirklichkeit ist der Fahrer doch nicht so schlecht!”
  • 13 sage ic mir „Ich bin schon mit Situation klar gekommen, die wesentlich heftiger waren als diese'”
  • 14 fange ich an im Geiste mitzufahren und Kommentare zu geben
  • 15 denke ich an alles, das schief gehen kann
  • 16 denke ich mir „Eigentlich ist es ganz gut ,dass der Fahrer Jetzt auch mal unter soeben Bedingungen fahren muss So lernt er dazu “
  • 17 sage ich mir selber „Wenn man angeschnallt ist und so langsam gefahren wird, kann eigentlich nicht viel schief gehen“
  • 18 denke ich daran was ich mache .wenn der Wagen ins Schleudern gerat

Empirische Befunde

Dieser Abschnitt beschäftigt sich nun mit den empirischen Befunden zum Konzept der Bewältigungsmodi Da das vorgestellte Modell von Krohne das modernste Repression- Sensitization-Modell darstellt, sollten diese Befunde nicht nur dazu dienen die externe Validität des Konstrukts zu stutzen und zu bestätigen Die vorliegenden Ergebnisse sollten auch eine mögliche Relevanz zur Anwendung der Kenntnisse über Bewältigungsstrategien geben Nach der ausführlichen Darstellung der Theorie der Messung des Konstruktes werden nun Feldstudien und Laborexperimente vorgestellt, durch die auch ein Bezug zur Praxis des Persönlichkeitsmerkmals Repression-Sensitization klar werden sollte

  • Schulleistung Krohne&Hindel, 1988:

In einer Untersuchung wurden 105 Schuler der 8 Klasse, deren Persönlichkeitseigenschaft vorher anhand des ABI gemessen wurde, ausgewählt, um einen Test in Deutsch zu schreiben Eine Woche vorher wurde ihnen dieser Test angekündigt Dies war nun grundsätzlich der Stressfaktor, der auf die Schuler wirkte Um nun noch die Situation hinsichtlich der Kontrollierbarkeit b z w der Unkontrollierbarkeit zu variieren, wurde etwa der Hälfte der Schuler eine durchstrukturierte Vorbereitungsphase für den Test gegeben, der anderen Hälfte aber lediglich der Test angekündigt, ohne dass sie eine Vorbereitung bekamen Ihnen wurde lediglich angegeben, dass der Test Inhalte hat, die sie letzte Woche schon durchgenommen haben Der Test enthielt auch tatsachlich für beide Gruppen einen wohlbekannten Inhalt, also nichts Neues So wurde die Bedingung bezüglich des Anspruchs für beide Gruppen möglichst gleich gehalten Unter anderen Ergebnissen wurde auch gefunden, dass im ganzen Sensitizer den Test als schwieriger und wichtiger einschätzen als Represser Das ist vielleicht damit zu erklären, dass ein Test an sich ein relativ unkontrollierbarer Vorgang ist So ist vielleicht auch zu erklaren, dass im ganzen die Represser auch tatsachlich in dieser Leistungssituation bessere Ergebnisse erzielten als Sensitizer Auch die Selbsteinschatzung ergab, dass Represser sich als besser einstuften, als das Sensitizer machen Wenn man sich die Ergebnisse von Sensitizer und Represser einmal naher über die Situationen anschaut, kann man erkennen, dass in der vorbereiteten Gruppe Represser und Sensitizer etwa die gleichen Ergebnisse erzielten, in der unvorbereiteten Gruppe stieg die Fehlerzahl der Sensitizer wahrend die Ergebnisse der Represser besser wurden (siehe Abbildung) Das Ergebnis deckt sich bezüglich der Gruppeninternen Tendenz durchaus mit dem theoretischen Modell Für die Sensitizer ist es besser Informationen zu erhalten, denn das geht konform mit ihrer bevorzugten Bewältigungsstrategie der Vigilanz So erzielen sie bessere Ergebnisse in der Gruppe, die durch die Vorbereitung mit mehr Informationen bezüglich der Stressquelle versorgt wird In der Situation in der die Sensitizer keine Vorbereitung bekommen, können sie ihre Sreßbewältigungsmethode nicht anwenden und schneiden schlechter ab Represser profitieren eher davon, wenn es keine spezielle Vorbereitung gab Sie fühlen sich offensichtlich wohler, wenn sie den Gedanken an den Test möglichst schnell abtun können und so das Aufkeimen der körperlichen Erregung ersticken zu können In der Situation in der sie sich durch die spezielle Vorbereitung mit dem Stressor auseinander setzen mussten, waren sie deutlich schlechter (Krohne, 1993)

  • Leistungssport Krohne & Hindel, 1988

Eine weitere Untersuchung war eine Feldstudie, die die Leistung von Hochleistungssportlern bei kritischen Stresssituationen wahrend eines Wettkampfes erfassen sollte Gerade dadurch, das diese Situation wirklich realen lebensnahen Stress erfasst, sollte nach Meinung der Autoren ein klares Ergebnis bezüglich der Relevanz des Persönlichkeitsmerkmals in solchen Lebenssituation erkannt werden „This real-life stress Situation is of interrest because, in contrast to many other situations, it contains a clear criterion for evaluating the efficiency of a coping strategy: the ensuing achievement“ (Krohne,\993, S 35). Kurz wiedergegeben, wurde das Ergebnis des obigen Versuchs hier ebenfalls bestätigt Tischtennisspieler, die in besonders knappen Spielsituationen waren, gewannen die Spiele eher, wenn sie Represser waren als wenn es Sensitizer waren, die sich in dieser Situation befanden (Krohne, 1993) Eine Erklärung für das generelle bessere Abschneiden der Represser gegenüber den Sensitizem wird von den Autoren hier nicht gegeben Ich wurde das Ergebnis so interpretieren, dass eine Leistungssituation im allgemeinen vom Akteur verlangt, weiterhin Leistung zu bringen, also weiter aktiv zu bleiben. Setzt der Sensitizer nun seine Vigilanz hier ein, so verhalt sich der Sensitizer relativ passiv gegenüber dem anstehenden Erfordernis, weil er kognitiv damit beschäftigt ist, sich diese Situation klar zu machen, die eventuell negativen Folgen des Punktverlust klar zu machen. Der Represser hat dagegen seine vollen geistigen Kapazitäten in dieser Situation weiterhin zur Verfugung, weil er ja kognitiv jedes Befassen mit dem Problem vermeldet. So kann er sich besser mit der Situation beschäftigen und so eine höhere Effizienz erzielen.

  • Selbsteinschätzung der Befindlichkeit Kohlmann&Krohne, 1991

Es wurden auch Feld- und Laborversuche unternommen, in denen ein möglicher Zusammenhang zwischen dem Berichten eigener körperlicher und psychischer Symptome und den Verhaltensdimensionen Vigilanz und kognitiver Vermeidung überprüft wurde. In einer Studie waren es 107 Versuchspersonen, die über 7 Tage hinweg fünfmal am Tag ein Symptom-Emotion-Fragebogen ausfüllten Dieser Symptom-Emotion-Fragebogen beinhaltete zehn mögliche körperliche Symptome und acht Emotionen, die eventuell anzugeben waren Danach wurde auch mit dem PILL die generelle Tendenz des Individuums, Einschätzungen seiner Befindlichkeit einzuschätzen, gemessen Das Ergebnis war diesmal, wie zu erwarten, dass Sensitizer (hohe Vigilanz, geringe kognitive Vermeidung) die höchsten Werte erreichten, sowohl in der Symptom-Emotion-Checkliste als auch im PILL Die in dieser Feldstudie erzielten Ergebnisse konnten allerdings in Laborexperimenten weiterhin nicht mehr bestätigt werden (Krohne, 1993)

Zusammenfassung

Das Konstrukt Repression-Sensitization stammt eindeutig aus der psychoanalytischen Tradition Die Abwehrmechanismen, die Sigmund Freud schon am Anfang des Jahrhunderts konzipierte und Anna Freud später konkreter konzeptualisierte, stellen die Grundlage zu den Überlegungen hinsichtlich des Abwehrverhalten von Individuen dar Später griff dann die Wahrnehmungspsychologie den Gedanken der Wahrnehmungsabwehr auf Einen entscheidenden Schritt hin zur Postulierung zweier verschiedener Grundtypen der Wahrnehmungsabwehr machten Bruner und Postman 1947 in ihren Versuchen Sie fanden dass eine Gruppe, die später von Gordon als „Sensitizer” benannt wurden, mit größerer Aufmerksamkeit reagierten, je hoher die Aversivität der Situation war Den entgegengesetzten Typ nannte man „Represser” 1964 setzte sich ein Persönlichkeitsfragbogen, entwickelt von Byrne, durch, der diese Persönlichkeitsdisposition erfassen sollte Der Fragebogen war vor allem aus anderen Fragebogen der Emotionalität entwickelt worden In zahlreichen Untersuchungen konnte das eindimensionale bipolare Konzept der Repression-Sensitization bestätigt werden Auch wurden bestimmte Korrelate zum Konstrukt gefunden Represser geben eine bessere subjektive Einschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit ab Sensitizer sollen leichter dazu neigen, körperliche Symptome anzugeben, auch wenn diese objektiv nicht nachweisbar sind Allerdings wurde auch Kritik zum Konstrukt laut Es wurde, unter anderem von Bucsn & Frye gefunden, dass die Repression-Sensitization-Skala sehr hoch mit anderen Skalen der Ängstlichkeit korreliert Somit war es fraglich, was die Repression-Senstization-Skala wirklich erfasst Auch andere Kritik wurde laut Unter anderem wurde auch gefunden das es einen linearen Zusammenhang zwischen Maßen der „emotionalen Gestörtheit” und der Repression- Sensitization-Skala gibt Danach wurden Sensitizer die emotional Gestörtesten und Represser die emotional Gesündesten sein Das widersprach aber der postulierten Bipolarität der Repressin-Sensitization Skala, wonach es eher einen kurvilinearen Zusammenhang zwischen emotionaler Gestörtheit und Repression-Sensitization geben sollte, in der Represser und Sensitizer eine gleich hohe Gestörtheit aufweisen sollten Darauf folgend wurde ein Mehrvariablenansatz entwickelt, in dem zwei Dimensionen, Angst und Angstleugnung getrennt erfasst wurde Dieses Modell konnte aber aufgrund von empirischen Lücken nicht gehalten werden Neben dem „Monitoring-Blunting-Konzept” wurde von Krohne ein neues Konstrukt entwickelt, das Modell der Bewältigungsmodi, welches ganz im Zeichen der Kogntionspsychologie stand. Es wurde ein zweidimensionales Konstrukt entwickelt, das die Dimensionen „Vigilanz” und „kognitive Vermeidung” seperat erfasst Erklärt wird das Verhalten nun explikativ durch eine interindividuell verschieden ausgeprägte Intoleranz gegenüber Unsicherheit b z w Erregung So entstehen vier verschiedene Persönlichkeitstypen, die beim Coping verschiedene Strategien einsetzen Neben Represser (hohe kognitive Vermeidung, niedrige Vigilanz) und Sensitzer (hohe Vigilanz, niedrige kognitive Vermeidung), gab es auch noch Ängstliche, die sich durch hohe Werte auf beiden Dimensionen auszeichnen und Nichtdefensive mit niedrigen Werten auf beiden Skalen

Hier wird aber vor allem darauf aufmerksam gemacht, dass es darauf ankommt, dass Personen sich über einen Zeitraum und über mehrere verschiedene Situationen hinweg konstant hinsichtlich der Bewältigungsmodi verhalten So wird, bevor beispielsweise Repression als „trait” aufgefasst wird, darauf geachtet, ob das repressive Verhalten nicht doch nur ein „state” ist Erfasst wird das Merkmal u a durch den „ABI”, einem Inventar, das als Stimulus-Response-Fragebogen angelegt ist Auch zu diesem neusten Modell des Konstrukts Repression-Sensitization konnten interessante Korrelate, sowohl im Feld wie auch im Labor, gefunden werden So fand man, dass Leistungssportler und auch Schuler in Situationen, die relativ viel Stress verursachten, die höchsten Ergebnisse brachten, wenn sie den „trait” Repression aufwiesen

In Zukunft wird wohl vor allem die explikative Seite des Konstrukts weiter erforscht werden Auch eine Ausdehnung der Forschung auf weitere praxisrelevante Themen wäre wünschenswert und wird auch erwartet

Literatur

Erikson, C W (1966) Cognitive Responses to mternally cued anxiety In C D Spielberger (Hrsg ), Anxiety and behaviour (S 327-360) New York Academic Press

Freud, Anna (1964) Das Ich und seine Abwehrmechanismen München Kindler

Heinrich, Gabi (1997) Repression-Sensitization Hausarbeit im Seminar „Persönlichkeitskonstrukte”, Dozentin Dr Stngl-Meseke

Krohne, Heinz Walter (Hrsg ) (1993) Attention and Avoidance. Bern Hogrefe

Krohne, Heinz Walter (1996) Repression- Sensitation. Temperaments und Persönlichkeitsunterschiede. Enzyklopädie der Psychologie S 153- 184

Krohne, Heinz Walter (l 975) Angst und Angstverarbeitung Stuttgart Kohlhammer

Sokolowski, Kurt (1992) Unterschwellige Wahrnehmung und Wahrnehmungsabwehr: Über das Verhältnis der kognitiven Psychologie zum so genannten Unbewußten. Wuppertaler Psychologische Berichte Hrsg H Hacker Band 3, Heft2

Zimbardo (1995) Psychologie Berlin Springer