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Psychoanalyse – Wie arbeitet sie?: Die Psychoanalyse ist im Grunde eine Theorie der Psychologie. Sie wurde Ende des 19. Jahrhunderts (1890) vom berühmten Neurologen Sigmund Freund aufgestellt und begründet. Ausgehend von der Psychoanalyse entwickelten sich im Laufe der Jahrzehnte verschiedene Theorien und Schulen der Tiefenpsychologie. Der Begriff der Psychoanalyse, der aus dem Griechischen stammt und übersetzt so viel wie „Untersuchung der Seele“ bedeutet, steht einerseits für die Freudschen Theorien zu Verhalten und Auswirkungen des Unterbewussten, andererseits aber auch für Therapieformen, die auf den Annahmen der Psychoanalyse gründen. Generell unterscheidet man in drei verschiedene Arten der Psychoanalyse, auf die im Folgenden kurz eingegangen wird: Die Wissenschaft, die Methodik und die Therapie.

Die Wissenschaft der Psychoanalyse

Die Psychoanalyse als eigene wissenschaftliche Disziplin widmet sich den unbewussten Vorgängen der Seele. Freud geht in seiner Theorie davon aus, das sie ein eigener Bereich des Mentalen ist und sich von dort aus nicht nur auf den Körper und Handlungen -, sondern durch Handlungen auch auf das soziokulturelle Umfeld auswirken kann. Heute kennt die Psychoanalyse als Wissenschaft verschiedene Strömungen und Richtungen, die nicht immer mit den Annahmen Freuds übereinstimmen. Zu den Strömungen zählen etwa der Intersubjektivismus, die Ichpsychologie, die Objektbeziehungstheorie oder auch die Selbstpsychologie.

Die Methodik

Die Methoden der Psychoanalyse sollen dazu dienen, Verhaltensweisen, die aus unbewussten Beweggründen resultieren, zu entschlüsseln oder überhaupt erst aufzudecken. Zu diesen unbewussten Ursachen können unter anderem auch Normen und Werte einer Kultur zählen. Zu den Methoden der Psychoanalyse zählen dabei unter anderem die Analyse der Persönlichkeitsstruktur oder auch die Erzählanalyse, mit der Kunstwerke (Gemälde, Filme, Romane, Märchen, etc.) analysiert werden können.

Die Therapie

Die Psychoanalyse als Theorie und ihre Methoden können insgesamt auch als Therapie Anwendung finden, die dann den gleichen Namen trägt. Dabei geht es immer darum, die Ursachen eines Leidens oder bestimmter, meist schädlicher, Verhaltensmuster aufzudecken. Ziel ist es dabei in der Regel, eine Persönlichkeit durch Aufdeckung dieser Ursachen „umzuformen“.

Klassischerweise sieht die Therapie dabei folgendermaßen aus: Der Patient liegt auf einer Couch und erzählt frei heraus alles, was ihn aktuell oder seit der letzten Sitzung (3-5x pro Woche) beschäftigt (hat). Der Therapeut analysiert diese Erzählungen und Assoziationen und deutet sie, häufig werden dabei auch Träume als Ausdruck des Unterbewussten analysiert.

Theorien der Psychoanalyse

Die Psychoanalyse arbeitet mit allerhand verschiedenen Annahmen. Eine dieser Theorien ist etwa die Triebtheorie, die davon ausgeht, dass ein Trieb/ein Spannungszustand der Lebens-, der Art- und der Selbsterhaltung dient. Aus solchen (körperlichen) Trieben resultiert ein seelischer Niederschlag wie etwa Frustration, wenn dem Trieb nicht Folge geleistet wird. Berühmteste Beispiele für die Erfüllung der Triebe sind Essen, Trinken und Sex.

Eine weitere Theorie der Psychoanalyse stellt ein Strukturmodell der Psyche auf. Dabei steht das Ich im ständigen Spannungsfeld zwischen dem Es (Triebe), dem Über-Ich (Moralische Instanzen) und der Außenwelt (Reize, Wert- und Normvorstellungen).

Die Psychoanalyse in der Kultur

Die Psychoanalyse ist zu einem so beliebten Forschungsfeld geworden, dass sie nicht nur zu verschiedenen Schulen führte und in der Psychologie zur Anwendung kommt, sondern  dass ihre Methoden und Theorien auch häufig dazu genutzt werden, Kulturgüter zu analysieren und zu interpretieren. So findet die Psychoanalyse heute häufig auch in der Film- und Medienwelt sowie in der Literatur- und Kunstwissenschaft großen Anklang.