Interview mit Dr. Thomas Teubel, Sportpsychologe

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Hr. Dr. Teubel, Sie sind Sportpsychologe … können Sie kurz zusammenfassen was das Berufsbild kennzeichnet?

“Als angewandt arbeitender Sportpsychologe geht es letztlich darum, den oder die Athleten dabei zu unterstützen, dass der Kopf bei der Erbringung sportlicher Leistung mitspielt – und nicht im Wege steht. Im direkten Kontakt mit den Sportlern arbeitet man sehr anlassbezogen, dass man erarbeitet gemeinsam den individuellen Bedarf und leitet anschließend maßgeschneiderte Lösungen ab. Hier kann es eine große Bandbreite geben wie beispielsweise der Umgang mit Angst und Druck, Konflikte im Team oder auch eine Karriereberatung. Darüber hinaus kann auch die Zusammenarbeit mit Trainern, dem familiären Umfeld oder dem Verein und dem Management sinnvoll sein, denn letztlich ist die Erbringung von Höchstleistung immer das Zusammenspiel verschiedener Faktoren.”

Können Sie kurz Ihren beruflichen Werdegang schildern? Wie sind Sie auf „Sportpsychologie“ gekommen?

“Ich habe zunächst Psychologie mit den Vertiefungen Persönlichkeits- und Sozialpsychologie studiert. Die Sportpsychologie kam dann erst im Hauptstudium dazu und verband meinen beruflichen Werdegang mit meinen sportlichen Interessen. Durch eine Tätigkeit als studentischer Mitarbeiter in der Sportpsychologie habe ich mich auch für die Wissenschaft interessiert und in diesem Bereich promoviert. Mein Doktorvater unterstützte aber auch die angewandte nebenberufliche Tätigkeit in der Praxis und so konnte ich mir hier auch etwas aufbauen. Heute verdiene ich mein Geld allerdings vor allem in der Wirtschaft, wo es auch darum geht, Spitzenleistungen zu erbringen. Es gibt hier viele Parallelen.”

Mit welchen Ausbildungskosten hat man zu rechnen bis man „fertig“ ausgebildet ist als Sportpsychologe? Und: mit welchem Gehalt kann man in diesem Beruf rechnen?

“Pauschal kann man das sicher nicht sagen. Zunächst gilt es ein solides Studium zu absolvieren, das heißt mindestens einen Master. Einige private Universitäten und Fachhochschulen bieten auch einen Master in Sportpsychologie an, welcher bis zu 15.000,-€ kostet. Zudem halte ich eine spezifische Zusatzausbildung, z.B. als Coach für unerlässlich. Eine solide Ausbildung kostet hier auch um die 10.000,-€. Als Psychologe ist man allerdings auch nie richtig „fertig“. Weitere Zusatzausbildungen oder auch Supervisionen gehören zu einer professionellen Identität immer dazu. Und das ist immer auch mit Kosten verbunden.

Die Verdienstmöglichkeiten variieren im Anschluss sehr stark. Sicher kann es im Profisport einige gut dotierte Jobs (auf Honorarbasis) geben. So schnell wie man hier drin ist, kann man auch wieder draußen sein. Nach meiner Einschätzung wächst aber auch der Markt, so dass sich bspw. Fußball-Bundesligisten in ihren Nachwuchsleitungszentren fest angestellte Sportpsychologen leisten, d.h. man bezieht ein durchschnittliches Angestelltengehalt. Dennoch handelt es beim Beruf des Sportpsychologen um eine hohe Spezialisierung und in der breiten Masse sind die Jobs sicher nicht da. Ich empfehle daher eigentlich immer noch ein zweites Standbein.”

Man hat die Vorstellung, dass Sportpsychologie im Profisport eine Rolle spielt. Aber was ist mit dem Breitensport? Welche Ansätze und Konzepte gibt es denn theoretisch und praktisch, Sportpsychologie im Breitensport anzuwenden? Gibt es praktische Beispiele?

“Auch der Breitensport hat sich in den letzten Jahren zunehmend professionalisiert. Man denke bspw. an die zahlreichen Anmeldungen bei Marathon-Veranstaltungen oder auch an „normale“ Sportler, die sehr viel Geld für ihr Equipment oder Trainingslager ausgeben. Und jeder Zweite trägt heutzutage ein Fitness-Armband und versucht sich ständig zu optimieren. Von daher sind auch die potentiellen Anlässe mehr oder weniger die gleichen wie im Profisport, allerdings die Bereitschaft hierfür Geld auszugeben, eher gering. Als Psychologe hat man auch immer noch mit Akzeptanzproblemen zu kämpfen und die meisten würden wohl eher zum Physiotherapeuten gehen. Auf der anderen Seite ist auch der Gesundheitssport und damit auch Krankenkassen oder Reha-Einrichtungen potenzielle Arbeitgeber für Sportpsychologen.

Aus der Praxis kann ich über einen etwas skurrilen Fall berichten. Eine Klientin mit knapp 70 Jahren wollte trotz schlechtem Fitnesszustand unbedingt noch einmal mit dem Alpin-Skisport beginnen, hatte aber Angst vor der Geschwindigkeit und möglichen Knochenbrüchen. Das Fazit des Coachings war am Ende übrigens, dass die Dame für sich erkannte, dass die Angst durchaus berechtigt ist und für sich entschieden hat, doch lieber in der Skihütte auf ihre Enkel zu warten, um dort gemeinsam einen heißen Tee zu trinken. Auch das kann ein Ergebnis sein.”

Herzlichen Dank für das Interview Hr. Dr. Teubel!

Und als Ergänzung zum Interview hier der Link zum XING-Profil von Hr. Dr. Teubel: XING – Dr. Teubel