Neue Medien und deren Schatten – Torsten Porsch und Stephanie Pieschl – Hogrefe – Rezension

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Dieses Buch wurde u.a. interessierten Studierenden, besorgten Eltern oder Lehrerinnen und Lehrern gewidmet, die sich Antworten auf verschiedene Fragen aus der Welt der Medien wünschen.

Zu vielen Fragen insbesondere der Themen, ab wann Kinder und Jugendliche Medien nutzen sollten, Cybermobbing, Sexting sowie zur „Killerspiele Diskussion“ wurde viel geforscht und die Ergebnisse in diesem Buch zusammengefasst. Das Buch gliedert sich in drei Teile:

  1. Medien in Forschung und Praxis
  2. Zentrale Problembereiche der Mediennutzung und -wirkung
  3. Prävention und Intervention am Beispiel Cybermobbing

Im ersten Teil wird zunächst die Frage der Privatsphäre geklärt. Was ist Privatsphäre? Warum ist die Privatsphäre im Internet relevant? Und welche neuen Stukturen bringt das Internet generell mit sich? Hier wird der Unterschied erklärt, warum z.B. das Vergreifen im Ton nur eine kurze Dauer der Verletzbarkeit darstellt, während geschriebene Beleidigungen im Internet immer wieder abgerufen werden können und somit andauernden Kummer bereiten. Dies gilt nicht nur für geschriebene Kommunikation, sondern auch für Videos, Bilder und Forenbeiträge, die leicht vervielfältigt werden können. Ein bekanntes Phänomen hierfür sind auch sog. Facebook-Partys in denen aufgrund der raschen Verbreitung von Kontaktdaten schnell große Menschenmassen zueinander finden.

Weiterhin wird aufgezeigt, dass jeder Arbeitgeber/Arbeitgeberin die Möglichkeit hat den Namen der Bewerber in eine Suchmaschine einzugeben und sich damit verteilten Informationen zugänglich machen kann.

Zum Thema „Killerspiele“ und deren Rolle bei Gewalt an Schulen wird der Wissenschaft die Aufgabe gestellt, Belege zu liefern inwiefern ein Zusammenhang besteht, dass gewaltbereite Bildschirmspiele zu einem erhöhten Aggressionspotenzial führen können oder nicht. Die Forschungsergebnisse legen nahe, dass zwar eine Erhöhung der Gewaltbereitschaft durch gewaltbereite Bildschirmspiele zu erkennen
ist, eine Untersuchung des Zusammenhangs solcher Spiele mit den Gewalttaten jedoch kaum möglich ist.

Im zweiten Teil wird u. a. auf die Werbung und deren Beeinflussung auf Kinder und Jugendliche eingegangen. Was ist Werbung und welche Entwicklungspsychologische Aspekte hat die Werbewirkung? Es wird beispielsweise anhand erst zweijähriger Kinder aufgezeigt, das die Handlungen dieser Zielgruppe bereits stark an Emotionen geknüpft sind. Weshalb die Supermarktgestaltung zu den ersten Konsumwünschen der Kleinkinder beiträgt. Mit zwölf Jahren sind alle Eigenschaften einer Konsumentin
oder eines Konsumenten entwickelt. Die Unterscheidung der Kinder zwischen Realität und Fiktion in der Werbung wird anhand Studien dargelegt. Mit Hilfe von Trainingsansätzen sollen die Gefahren von Werbung abgemildert und den Kindern ein kompetenter Umgang mit der Werbung näher gebracht werden.

Ein weiteres, meines Erachtens, sehr wichtiges Thema das in diesem Buch behandelt wird, ist das Thema „Cybermobbing“. Hier werden die Gemeinsamkeiten sowie die Unterschiede zwischen konventionellem Mobbing und Cybermobbing dargelegt. Befunde belegen z.B. das es sich bei den sog. „Mobbern“ häufig um die selben Personen handelt die in beiden Arten von Mobbing involviert sind. Die Unterschiede liegen u.a. in den neuen Kommunikationstechnologien, wodurch es kaum einen
Schonraum für Cybermobbing gibt. Während die Ursachen zum konventionellen Mobbing bereits umfangreich beleuchtet wurden, findet man zu den Motiven für Cybermobbing im Gegensatz nur wenige Ansätze. Dennoch wurden verschiedene Tätertypen und deren Motive dargestellt. So besitzt der Impuls-reaktive Täter eine geringe Selbstkontrolle und reagiert auf vermeintliche Provokationen mit Wut und Aggression. Kontrolliert-reaktive Täter hingegen planen Ihre Rache meist genau im Vorfeld. Gerade diese Tätergruppen sind durch Anreize wie soziale Anerkennung oder positive Gefühle der Macht motiviert. Neben den Folgen von Cybermobbing werden noch Bewältigungsstrategien zum Umgang mit Cybermobbing dargestellt.

Im dritten und letzten Teil dieses Buches wird auf die Prävention und Intervention am Beispiel Cybermobbing näher eingegangen. Was tun bei Cybermobbing? Diese Frage wird von verschiedenen Perspektiven, z. b. der Jugendlichen geklärt. Es werden verschiedene Verhaltensweisen und deren mögliche Reaktionen vorgestellt. Für die Problembewältigung werden wichtige Handlungsschritte für pädagogische Fachkräfte aufgezeigt, die alle auf Forschungsergebnisse basieren. Dieses Buch liefert einen wichtigen Überblick über aktuelle Medien und deren Gefahren für Kinder und Jugendliche. Die Thematik wird intensiv anhand wissenschaftlichen Forschungsergebnissen, Studien und Statistiken (immer unter Angabe der Quellen und Autoren) behandelt. Die zum Teil komplexen Themen werden durch praxisnahe Beispiele gut erklärt. Zudem wird nach jedem Kapitel eine große Auswahl an Fachliteratur vorgeschlagen. Meines Erachtens ist dieses Buch nicht für Laien geeignet, da es doch sehr wissenschaftlich geschrieben ist und keine „einfache Lektüre“ darstellt. Zudem lässt sich das Buch aufgrund der Vielzahl von Statistiken nicht sehr flüssig lesen. Daher würde ich dieses Buch eher pädagogischen Fachkräften, Studierenden und Eltern empfehlen die sich stark für dieses Thema
interessieren.