Musiktherapie Theorie

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Musiktherapie

6.2 Theoretische Ansatzpunkte zur Musiktherapie mit Depressiven

Bei der Behandlung der Krankheit durch Musiktherapie werden verschiedene Verfahren angewendet.
Aktive Gruppenmusiktherapie wendet die Musiktherapeutin und Autorin Lisa Bock an. Für sie ist es auch das wichtigste, den Depressiven aus der Vergangenheit in die gelebte Zeit zu führen. Depressive sind sehr gut mittels Musiktherapie zu beeinflussen. Die hier gewählte Therapieform ist die der aktiven Gruppen-Musiktherapie, wobei die Depressiven auch mit anderen Kranken musizieren. Am Anfang der Therapiestunde wird eine Auswahl aus dem Orff-lnstrumentarium (=Triangel, Xylophon, Congatrommeln, Leier, Klavier u. ^) bereitgestellt, die sich die Patienten aussuchen können. Die Depressiven suchen sich in der Regel die Instrumente aus, die besonders leise und unauffällig sind. Wenn die übrigen Gruppenmitglieder ihn mit ihren Instrumenten in die Gegenwart, ins Jetzt rufen, so ist das eine Aufforderung zur Kommunikation. Hier wird der Depressive Schwierigkeiten haben, aus seiner Vergangenheitswelt in die Gegenwart zu kommen Diese Form lehnt das Eingehen auf die monotone, an die Vergangenheit gebundene f Erlebniswelt des Depressiven ab, weil das einen verstärkenden Effekt haben würde und wie ein Teufelskreis wirken würde. Die Rhythmik, die der Depressive am Anfang meist produziert, ist rein äußerlich, sachlich und monoton. Aber der Therapeut lenkt den Depressiven dahin, die innerliche Rhythmik zu entwickeln und nach außen zu tragen, so daß seine Improvisation lebhafter wird. Der Depressive muß dazu in seiner geistigen Präsenz in die Gegenwart rücken. Dadurch bekommt seine rhythmische Improvisation mehr Klangfarbe, und es fällt ihm leichter, mit den anderen Patienten und den Therapeuten musikalisch zu kommunizieren (Vgl. 2, S. 231 bis 233).
Eine weitere Möglichkeit bietet die Regulative Musiktherapie. Ihr Ziel ist es, die ästhetische Genuß- und Erlebnisfähigkeit wiederzugewinnen, zu erweitern und zu differenzieren. Durch Zuhören öffnet sich der Patient. Nun ist es wichtig, daß er sich der Musik nicht willenlos hingibt, sondern möglichst sachlich sein seelisches Innenleben wahrnimmt. So ist es möglich, daß der Patient selbstkritisch seine Emotionen verfolgen kann. Nun soll der Patient von ihm akzeptierte und nicht akzeptierte Wahrnehmungen unterscheiden. Zum Schluß soll er die nicht akzeptierten Wahrnehmungen näher beobachten und solange nach neuen Verhaltensstrategien suchen, bis er alles an sich akzeptieren kann. Er „reguliert” also sein Verhalten (Vgl. 1, S. 179-183).

Daß Musikrezeption, wie in der regulativen Musiktherapie angewendet, das Verhalten von Depressiven beeinflussen kann, zeigt auch ein Versuch mit 18 Depressiven, die die typischen Symptome wie Antriebsschwäche, innere Leere usw. aufwiesen. Neun von ihnen mußten zu Bildern eine Geschichte mit Vergangenheit, „ Gegenwart und Zukunft erzählen. Die anderen neun mußten das Gleiche, mit den gleichen Bildern tun, allerdings spielte dort im Hintergrund klassische Musik. Danach wurden die Gruppen gewechselt, d. h., die Gruppe, die vorher keine Musik hörte, hörte Musik und die Musik hörte, hörte nun keine Musik. Das Ergebnis zeigte, daß jeweils dort in den Gruppen, wo keine Musik lief, die Geschichten zu den Bildern sehr karg ausfielen. Einige kurze Sätze reichten den Probanten zum Beschreiben der Bilder. Die Zeitstruktur der Geschichten hielten sich mehr an Vergangenem, In der Gruppe allerdings, in der die Musik im Hintergrund lief, wurden viel ausführlichere und kraftvollere, wenn auch nicht unbedingt positivere Geschichten erzählt. Hier hatten die Geschichten zwar auch Vergangenheit aber auch Gegenwart und Zukunft spielte eine Rolle (Vgl. 2, S. 234 – 236).

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