Altruismus

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Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
2 Attributionsansatz
3 Empathieansatz
4 Das Integrationsmodell

Einleitung

In der Sozialpsychologie gibt es viele verschiedene Ansätze um prosoziales (=altruistisches) Verhalten zu erklären. Die Theorie, die hier nun vorgestellt wird, versucht zwei verschiedene Ansätze zu einer Theorie zu integrieren. Nach Meinung des Autors untersuchen viele Forscher zwar aus verschiedene Ansätzen heraus aber doch an den gleichen Variablen. Dieses sieht er nun auch in zwei verschiedenen Ansätzen zur Erklärung von Altruismus gegeben: „This seems to be the case in the attribution approach … and the empathy aproach …“ (Betancourt, 1990, S.573). In beiden erwähnten Ansätzen finden sich also Gemeinsamkeiten, so daß eine Integration der beiden Ansätze sinnvoll erscheint. Zentral in beiden Ansätzen ist die Rolle der empatischen Emotionen zu betrachten, die in beiden Fällen eine vermittelnde Rolle zwischen vorhergehenden Kognitionsprozessen und der nachfolgenden Hilfeleistung einnimmt. An dieser Stelle werden die beiden verschiedenen Ansätze zunächst näher betrachtet.

Attributionsansatz

Weiner entwickelte 1980 diese Theorie zur Erklärung altruistischem Verhaltens (Weiner, 1980; zitiert nach Betancourt, 1990). Diese Theorie geht davon aus, daß Personen, die Menschen in Not sehen, sich die Frage stellen, warum dieser Mensch sich in dieser Situation befindet. Während festgestellt wird, wie die Situation zustande kam, wird die Situation auch hinsichtlich ihrer Kontrollierbarkeit beurteilt. Das heißt, die Person schätzt ein, ob der Notleidende diese Situation selber verändern oder kontrollieren könnte. Wenn die Kontrollierbarkeit gering ist, entsteht ein Gefühl von Mitleid im Beobachter, was dann wiederum die Wahrscheinlichkiet einer Hilfeleistung erhöht. Wenn die Situation vom Beobachter als kontrollierbar für den Notleidenden beurteilt wurde, dann löst das beim Boebachter eher ein Gefühl von Wut oder Ärger aus, was die Wahrscheinlichkeit einer Hilfeleistung sinken läßt (Betancourt, 1990) Obwohl auch eingeräumt wird, daß Attribution allein auch schon die Hilfeleistung beeinflußt, finden wir doch hauptsächlich eine an Emotionen gebundene Abhängigkeit der Hilfeleistung vor. Diese Emotionen sind allerdings durch vorhergehende Kognitionen ausgelöst worden. So sieht man, daß die Emotion hier die vermittelnde Rolle zwischen Attribution und Hilfeleitung einnehmen. Bezüglich der wahrgenommenen Kontrollierbarkeit der Situation ist zu sagen, daß es hier ein Objektivitätsproblem gibt. Nicht jeder Mensch beurteilt ein und dieselbe Situation mit der gleichen Kontrollierbarkeit. So wird in experimentellen Untersuchungen immmer ein Manipulationscheck durchgeführt, um die wahrgenommmene Kontrollierbarkeit zu messen. So nimmt also im Attributionsansatz die Kontrollierbarkeit, verbunden mit Emotionen die zentrale Rolle ein.(Betancourt, 1990).

Empathieansatz

Es gibt mehrere Ansätze Altruismus durch Empathie zu erklären. Insbesondere wird hier der Ansatz von Batson et al. Berücksichtigt (Batson & Coke,1981; zitiert nach Betancourt,1990) : Wenn ein Beobachter die Perspektive des Notleidenden einnimmt, so löst das beim Beobachter Emotionen aus, die den Beobachter dann zur Hilfeleistung veranlassen. In Experimenten wurde die empatische Perspektive dardurch induziert, daß man den Vpn dazu aufforderte sich in die Lage des Opfers zu versetzen. Es ist also nicht definiert, wann Menschen im „echten Leben“ eine empatische Perspektive einnehmen. Auch muß die eingenommene empatische Perspektive nicht gleich Hilfeleistung bedeuten. Denn auch hier, wie im Attributionsansatz, spielen die dazu entstehenden Emotionen die entscheidende Rolle. Sie vermitteln auch hier wieder zwischen dem Kognitionsprozess der eingenommenen Perspektive und der anschließenden Aktion, der Hilfeleistung. Es enstehen also nach dem Einnehmen der Perspektive Emotionen. Sind die Emotionen gekennzeichnet durch Gefühle wie Sympathie, Mitleid und Ergriffenheit, so nennt man diese Emotionen „wirklich empathische Emotionen“, die im Anschluß auf jeden Fall eine Hilfeleistung auslösen. Sind es aber Gefühle wie Beunruhigung, Aufgeregtheit und Kränkung so werden sie „Distress Emotionen“ genannt, die nur dann zum Hilfeverhalten führen, wenn der Beobachter sich in einer Lage befindet, aus der es schwierig ist zu flüchten. Ein Hilfehandeln aus diesen Emotionen heraus wird dann auch als egoistisch motiviert ausgezeichnet. Es geht dem Beobachter hier nur um die Reduktion seiner unangenehmen Emotionen. In dem Integrationsmodell, das hier vorgestellt wird, spielt aber die Möglichkeit aus Distress heraus zu helfen kein Rolle, weil nur Situationen hergestellt wurden, in denen es für den Beobachter einfach ist zu flüchten. Es sind also nur die wirklich empatischen Emotionen die hier eine Hilfeleistung hervorrufen, die nun höchstwahrscheinlich wirklich uneigennützig motiviert sind (Betancourt, 1990).

 

Das Integrationsmodell

Betancourt schlägt nun vor, die beiden Ansätze zu einer Theorie zu integrieren. Es werden die Parallelen der beiden Ansätze erwähnt. In beiden Ansätzen spielen Emotionen eine vermittelnde Rolle zwischen Kognition und Hilfeleistung. Auch bestehen Parallelen bezüglich der Qualität dieser Emotionen. Die Personen die einen unkontrollierbaren Grund wahrnehmen, empfinden, genau wie Personen, die sich in die empatische Perspektive versetzen, überwiegend Gefühle wie Mitleid. Personen, die sich nicht in die empatische Perpektive bringen und Personen, die den Grund der Notlage als kontrollierbar ansehen, empfinden nicht solche Gefühle wie Mitleid, sondern eher negative Emotionen (Betancourt, 1990). Auch ist zu vermuten, daß die Kausalattribution durch die empatische Perpektive beeinflußt wird. Normalerweise nimmt ein Beobachter eher an, daß die Situation durch die Person verursacht ist, und die Person selber nimmt eher situationale Gründe für ihr Notleiden an. Dies impliziert somit auch die Kontrollierbarkeit der Situation, die vom Beobachter so immer mehr als kontrollierbar angenommen wird, als vom Notleidenden. Je mehr sich eine Person nun empatisch in die Situation eines Notleidenden hineinversetzt, desto mehr verschwindet die übliche Diskrepanz zwischen Boebachter und Notleidenden bezüglich der Beurteilung darüber, ob die Notsituation eher durch die Person oder durch die Situation verursacht ist. Durch ein und dieselbe Intervention werden also Empathie und Kauslattribution verändert (Betancourt, 1990). Diese ganzen Übereinstimmungen und Ähnlichkeiten werden nun in einem Integrationsmodell zusammengeführt (Abbildung 1). Hier sieht man, daß die Hilfeleistung eines möglichen Helfers durch die Kausalattribution oder der Perpektive ausgelöst werden kann. Es gibt nun mehrere Wege, die zum Hilfeverhalten führen könnten. Einmal kann die durch die Kausalattribution ermittelte eingeschätzte Kontrollierbarkeit entweder direkt zur Hilfeleistung führen oder erst noch empatische Emotionen auslösen und dann erst kommt es zur Hilfeleistung. Die eingenommene empatische Perpektive kann direkt empatische Emotionen erzeugen und so zur Hilfeleistung führen, oder die Perspektive beeinflußt die wahrgenommene Kontrollierbarkeit und dann die Emotionen, die dann die Hilfeleistung determinieren. Auch ist es möglich, daß die Hilfeleistung nur von der Perspektive, über die Kontrollierbarkeit, abhängt (Betancourt,1990).

 

 

Literatur:

-Betancourt, H. (1990). An attribution-empathy model of helping behavior:Behavioral intentions and judgements of help-giving. Personality and Social Psychology Bulletin, 16, 573-591.

-Betancourt, H. & Weiner, B. (1982). Attributions for achievement-related events, expectancy, and sentiments: A study of success and failure in Chile and the United States. Journal of Cross-Cultural Psychology, 13, 362-374.

-Ickes, W. & Kidd, R. (1976). An attributional analyses of helping behavior. In J. Harvey, W. Ickes, & R. Kidd (Eds), New directions in attribution research (Vol.1). Hillsdale, NJ: Lawrence Erlbaum.