Implizites Commitment

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Mit welcher Kraft verfolgen Menschen ihre Ziele? Ist die bewußt eingeschätzte Relevanz eines Ziels gleich der tatsächlichen Intensität, mit der wir ein persönliches Ziel verfolgen? Dieser Frage versucht dieser Bericht nachzukommen.

Persönliche Ziele bzw. Anliegen definieren sich nach Brunstein & Maier (1996) folgendermaßen: Anliegen sind individuelle, vor allem mittel bis langfristige Ziele, die sich durch das variable Maß der Entschlossenheit, dieses Ziel zu verfolgen (Commitment), Realisierbarkeit und Fortschritte bei der Realisierung auszeichnen. Ferner ist hier wichtig, daß zwischen integrierten und introjezierten Zielen eingeteilt wird (Deci & Ryan, 1990). Integration ist hiernach die Einbettung extrinsischer (= von Außen kommend) Ziele in die Persönlichkeit. Integration aber ist die Übernahme extrinsischer Ziele ohne Einbettung in die Persönlichkeit. Durch die Integration wird das bereits erwähnte Maß der Entschlossenheit ein Ziel zu verfolgen (Commitment) eher positiv, durch die Introjektion eher negativ beeinflußt. Im Bereich der differentiellen Psychologie unterscheidet man zwischen Handlungs und Lageorientierten. Diese Persönlichkeitsdisposition gibt an in welchem Maße Menschen dazu tendieren mehr introjezierte oder integrierte Ziele zu verfolgen. Wir gehen also davon aus, daß Lageorientierte im allgemeinen mehr introjezierte Ziele verfolgen. Dadurch verfügen sie also im Gegensatz zu Handlungsorientierten über ein geringeres implizites Commitment. Hierzu ist zu sagen, daß wir zwischen implizitem und explizitem Commitment unterscheiden müssen. Ein explizites Commitment ist dem Individuum bewußt und kann durch eine direkte Befragung erfaßt werden. Implizite Commitments steuern zwar das individuelle tägliche Leben zu einem großen Teil mit, lassen sich aber nur durch indirekte Verfahren erfassen, weil sie dem Individuum nicht bewußt sind. Wir gehen davon aus, daß sich vor allen Dingen unter Streßeinwirkung das geringere implizite Commitment der Lageorientierten offenbart. In unserer ersten Hypothese nehmen wir an, daß Personen, die möglichst schnell auf ihnen präsentierte Worte reagieren müssen, längere Reaktionszeiten bei Wörtern zeigen, die aus dem Kontext ihrer Ziele stammen. Das hohe implizite Commitment, welches diese Ziele begleitet wird aktiviert und löst eine Reihe von Gedanken bzw. Assoziationen zum Thema aus. Dadurch wird die Reaktion verzögert. Unsere zweite Hypothese bezieht sich auf den differentiellen Aspekt. Konfrontiert man Lageorientierte mit Wörtern, die von ihnen gewählte Zielen betreffen, so sollten sie gerade unter Streß keine Beeinflussung mehr durch das implizite Commitment erfahren und sich somit auch keine Unterschiede in den Reaktionszeiten im Vergleich zu neutralen Wörtern zeigen. Das erklärt sich zum einen dadurch, daß die von ihnen explizit verfolgten Ziele ohne implizites Commitment besetzt sind und zum anderen durch die bei Lageorientierten herabgesetzte Möglichkeit bei erhöhten Einflüssen von Außen (Streß!) auf ihr implizites Commitment zurückzugreifen.

Quellen:

Greenwald, A.G. & Banaji, M.R. (1995). Implicit social cognition: Attitudes, self-esteem, and stereotypes. Psychological Review, 102, 4-27

Brunstein, J.C. & Maier, G.W. (1996). Persönliche Ziele: Ein Überblick zum Stand der Forschung. Psychologische Rundschau, 47, 146-160

Deci, E.L. & Ryan, R.M. (1990). a motivational approach to self: Integration in personality. In R. A. Dienstbier (Ed.), Nebraka Symposium on Motivation (pp. 237-288). Lincoln: University of Nebraska Press

Kuhl, J & Beckmann, J. (!994). Alienation: Ignoring one`s preferences. In J. Kuhl & J.Beckmann (Eds.), Volition and Personality (pp.375-390). Seattle, Göttingen: Hogrefe & Huber.