Interview mit Frau Prof. Dr. Jonas & Herrn Prof. Dr. Jungclaussen – Fachhochschule des Mittelstands (FHM)

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Wir konnten wieder ein Interview mit Frau Prof. Dr. Jonas und Herrn Prof. Dr. Jungclaussen von der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) führen. Dies hatte einen aktuellen Anlass, denn nicht nur der Corona-Virus verändert derzeit das Studium. Für Studenten, die dieses Jahr Ihr Studium beginnen, besteht auch letztmals die Möglichkeit, nach Abschluss des Bachelor- und Mastabstudiums z. b. in Psychologie, die Psychotherapieausbildung gemäß den bisherigen Regeln des neuerdings reformierten Psychotherapiegesetztes zu beginnen. Dazu veranstaltet die FHM auch am 19.5.2020 in Köln einen Extra Info Abend (siehe unten!). Insbesondere zu diesem Thema nun also auch das Interview:

Sehr geehrte Frau Prof. Dr. Jonas, sehr geehrter Herr Prof. Dr. Jungclaussen, Sie bieten an der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) auch in Köln Psychologie-Studiengänge als Bachelor und Master an. Am Di., den 19.5.20 um 17:30 Uhr findet hierzu ein Extra-Info-Abend zur Psychologie an Ihrer Hochschule in Köln statt. Aus aktuellem Anlass: Wie gehen Sie mit der aktuellen “Corona-Krise” an Ihrer Hochschule um? Welche Veränderungen ergeben sich aktuell für Lehrende und Studenten?

Prof. Dr. Melanie Jonas: Als Mitte März die bundesweiten Kontaktbeschränkungen erlassen wurden, hat die FHM quasi von einem Tag auf den anderen alles auf „Online“ umgestellt: Lehre, Betreuung, Prüfung, alles virtuell mithilfe von virtuellen Seminarräumen, Videochats, und natürlich wie sonst auch ganz klassisch per E-Mail und Telefon. Der „Shutdown“ hat uns wesentlich sanfter getroffen als viele andere, insbesondere die staatlichen Hochschulen, weil wir schon seit Jahren Erfahrungen mit Fern- und Onlinestudium haben. Da die nötige Infrastruktur bei uns vorhanden ist, konnten wir ziemlich nahtlos von Präsenz auf Studieren aus dem Homeoffice umstellen. Wir haben viel positives Feedback von unseren Studierenden bekommen. Sie schätzen, dass sie sich auch in der Krise auf ihre Hochschule verlassen können, die gleichzeitig ihren Schutz im Auge hat, aber auch dafür sorgt, dass sie ihr Studium weiterführen können, ohne wertvolle Zeit zu verlieren. So stellen wir sicher, dass alle in der vereinbarten Zeit ihr Studium abschließen können.

Prof. Dr. Ingo Jungclaussen: Aber natürlich hoffen wir alle, dass der Ausnahmezustand früher als später enden wird. Gerade der FHM-Standort Köln ist für seine persönliche, fast familiäre Atmosphäre bekannt. Diese persönlichen Begegnungen kann man durch Videokonferenzen nicht ersetzen. Zumindest einen Hauch von Normalität dürfen wir seit Anfang Mai auch wieder bieten: Wir nehmen unter Einhaltung strenger Hygienerichtlinien aktuell wieder auf dem Campus schriftliche und mündliche Prüfungen ab – mit Sicherheitsabstand, Mundschutz und allem was dazu gehört.

Viele Psychologie-Studenten liebäugeln mit einer Weiterbildung/Ausbildung zum Psychotherapeuten. Dazu gab es kürzlich wesentliche gesetzliche Veränderungen. Können Sie uns bitte erläutern, welche das sind und wie Sie dazu positioniert sind? Was raten Sie derzeit Studenten diesbezüglich? Und bieten Sie ebenfalls, evtl. mit Kooperationspartnern, einen solchen Ausbildungsweg an?

Prof. Dr. Ingo Jungclaussen: Am 1. September 2020 tritt das neue Gesetz zur Reform der Psychotherapeutenausbildung in Kraft. Ab diesem Stichtag führt ein an Universitäten angebotenes Direktstudium zur Approbation, also staatlichen Zulassung zur Heilkunde, als Psychotherapeut/in. Eine anschließende Weiterbildung ermöglicht durch die Wahl des Therapieverfahrens dann die Abrechnung mit den Krankenkassen (Fachkunde). Den bisherigen Weg zum Psychologischen Psychotherapeuten bzw. Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten über ein Studium der Psychologie oder der Sozialen Arbeit, Sozialpädagogik, Erziehungswissenschaften etc. auch an Fachhochschulen soll es dann nach dem Willen des Gesetzgebers in dieser alten Form nicht mehr geben. Der letzte Punkt ist natürlich einer, den wir als Fachhochschulprofessoren kritisch sehen: Warum sollen gerade die anwendungs- und praxisorientierten Fachhochschulen zukünftig nicht mehr am Ausbildungsweg der Psychotherapie mehr beteiligt sein? Wir beobachten diese Entwicklungen sehr aufmerksam und loten derzeit vielfältige Strategien aus, um uns als FH auch dauerhaft gut aufzustellen. Über den aktuellen Stand dieser Entwicklungen können Sie sich auf unseren Webseiten informieren.

Prof. Dr. Melanie Jonas: Es gibt unterdessen noch eine Chance für Studierende an Fachhochschulen, die vor dem 1. September einen Bachelor oder Master in Psychologie oder einem pädagogischen Studiengang beginnen oder abschließen: Alle, die sich z.B. bei uns bis spätestens Ende August 2020 zum Psychologie-Bachelor-Studium eingeschrieben haben, können ihre psychotherapeutische Ausbildung noch nach dem alten System bis 2032 abschließen (in besonderen Härtefällen bis 2035). Und das ist auch der Rat, den wir allen geben, die gerade an einer Fachhochschule studieren oder ein Psychologiestudium beginnen möchten, aber nicht den NC für eine Universität haben: Vor dem 31.08. beginnen und ohne NC nach dem alten System noch Psychotherapeut werden! Das ist auch der Grund, warum die FHM den diesjährigen Start des B.Sc. Psychologie auf den 31.08. festgelegt haben, um allen Psychotherapie-Interessierten noch diese Möglichkeit und Vorteile des alten Systems zu geben. Unser Psychologie-Studium ohne NC ist ein vollwertiges „normales“ Psychologie-Studium, das alle genügenden Creditpoints in den relevanten Modulen aufweist, um nach dem alten System in dieser Weise für die Therapeutenausbildung zugelassen zu werden.

Prof. Dr. Ingo Jungclaussen: Und es ist für unsere Studierenden sogar möglich, im Anschluss an den Bachelor bei uns ebenfalls einen Master in Psychologie zu erwerben, um mit diesem Abschluss dann in Niedersachsen eine Therapieausbildung zu absolvieren. Die FHM kooperiert seit 2019 mit dem gemeinnützigen Psychotherapie-Ausbildungsinstitut INITA in Hannover. Absolventen unseres Master-Studiengangs Psychologie können sich dort nach ihrem Abschluss für eine Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten bewerben. Alle Bachelor-Absolventen, für die eine Ausbildung in Niedersachsen nicht in Frage kommt, müssten sich um ein Masterstudium an einer Universität bewerben und dann z.B. in Nordrhein-Westfalen oder Bayern ihre Ausbildung machen. Leider werden die Zugangsregelungen in den verschiedenen Bundesländern unterschiedlich gehandhabt. Häufig erhalten wir zu dieser Kooperation die Rückfrage, ob man dann nur in Niedersachsen als Therapeut arbeiten darf, wenn man dort seine Psychotherapieausbildung absolviert hat. Das ist selbstverständlich nicht so. Mit einer Approbation können Sie in ganz Deutschland arbeiten und sich auf dieser Basis auch für einen Kassensitz überall bewerben. Die attraktive Möglichkeit als approbierter Psychotherapeut dann mit den Krankenkassen abzurechnen ist für viele das entscheidende Ziel. Unser Studium bietet nach dem alten System quasi auch hierfür die letzte Möglichkeit bis August diesen Jahres hierfür den Grundstein mit dem Studium zu legen.

Prof. Dr. Melanie Jonas: Natürlich gibt es auch noch die Studierenden an den Universitäten, die derzeit auch verunsichert sind. Hier gehen wir jedoch davon aus, dass die Universitäten für ihre eigenen Studierenden Regelungen zum Quereinstieg in das neue Direktstudium schaffen werden.

Sie befassen sich als Professoren intensiv mit der Reform der Psychotherapieausbildung. Könnten Sie uns etwas von Ihrem kürzlichen Symposium und Ihren Interview-Artikeln erzählen?

Prof. Dr. Jonas: Ja gerne. Wir haben im Januar diesen Jahres für Studierende und Interessenten ein Psychologie-Symposium an unserer Kölner Fachhochschule zur Reform der Psychotherapieausbildung veranstaltet. Ziel war es Licht ins Dunkel der vielen Regelungen und Antworten auf die wichtigsten Fragen der Studierenden zu geben. Zu den Referenten gehörten neben zahlreichen Experten auch Regierungs-Politiker, die am Reformgesetz beteiligt waren. Aufgrund der regen Diskussion, den zahlreichen Informationen sowie Workshops war es für alle Beteiligten eine sehr erfolgreiche Veranstaltung. Die ganze Veranstaltung wurde als live-Stream im Internet übertragen und das Video ist dauerhaft bei youtube auffindbar.

Prof. Dr. Ingo Jungclaussen: Darüber hinaus haben wir zusammen mit der Redaktion der Verbandszeitung des Bunds Deutscher Psychologen (BDP) eine Interview-Reihe im Heft report psychologie ins Leben gerufen. Hier interviewen wir jeden Monat ausgewählte Fach-Vertreter und Experten, die mit der Umsetzung der Reform beteiligt sind und befragen diese zu ihren Reform-Einschätzungen.

Die “Corona-Krise” verändert derzeit unsere Gesellschaft nachhaltig. Viele müssen zu Hause bleiben, somit sind alle “digitalen Aktivitäten” vermehrt im Fokus. Bieten Sie jetzt und in Zukunft vermehrt digitale Studieninhalte an?

Prof. Dr. Melanie Jonas: Lehre und Betreuung laufen wie gesagt an allen Standorten der FHM aktuell noch komplett digital, auch einige Prüfungen haben wir in den virtuellen Raum verlegt. Durch diesen, in seiner Radikalität und Schnelligkeit zumindest, ungewollten Crash-Kurs in „virtueller Hochschule“ haben wir unglaublich viel darüber gelernt, was digital eigentlich alles möglich ist. Und natürlich auch, wo die Grenzen liegen – ganz banal z.B., wenn während einer Vorlesung der Server der Konferenzsoftware abstürzt. Wir sind noch dabei, auszuwerten, was sich auch in der Zukunft nach Corona als zusätzliches Angebot zur Präsenzlehre oder in Kombination mit dieser (Stichwort „Blended Learning“) für den Normalbetrieb eignen kann.

Prof. Dr. Ingo Jungclaussen: Schon länger in der Planung ist die Einrichtung eines Systems für E-Klausuren. Und die FHM erweitert sukzessive ihr Angebot an reinen Onlinestudiengängen, in denen die Studierenden viel orts- und zeitunabhängiger mit einem modernen Learning-Mangement-System lernen können: Im Oktober startet zum ersten mal der Studiengang B.Sc. Psychologie online.

Befassen Sie sich mit der Corona-Krise auch aus fachlicher psychologischer Sicht?

Prof. Dr. Ingo Jungclaussen: Ja wir beobachten die Entwicklungen als Psychologen sehr aufmerksam und haben diverse Fachbeiträge zum Thema aus psychologischer Sicht verfasst, die alle online zugänglich sind.

 

Informationen von der FHM bereitgestellt:

Infos zum Psychologie-Studium bei der FHM: https://www.fh-mittelstand.de/psychologie/

EXTRA INFO ABEND 19.5.2020 FHM KÖLN:

Mit dieser Info möchten wir Sie auf aktuelle wichtige Neuigkeiten zum Psychologie-Studium hinweisen:
Ab 1.9.2020 gilt für den Weg zum Psychotherapeuten ein neues Gesetz. Den bisherige Ausbildungsweg zum/zur Psychologischen Psychotherapeuten/in oder Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten/in, der auch mit einem Psychologie-Studium ohne NC (!) zugänglich ist, können Sie nur noch bis einschließlich 31.08.2020 beginnen!

Psychologie-Studium: Der bisherige Weg zum Psychologischen Psychotherapeuten/Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten auch ohne NC ist nur noch bis August diesen Jahres möglich.
– Di. 19.5.2020, 17:30 Uhr:  Online-Info-Abend an der Kölner Fachhochschule des Mittelstands (FHM) mit allen Infos und persönlichem Kontakt zu den Kölner Psychologie-Professoren. Zugang hier