Trauma und Coaching: Trauma-Signale erkennen und professionell handeln – Dagmar Härle – Junfermann Verlag – Rezension

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Sie sind als Coach oder Berater tätig? Dann vermittelt Ihnen dieses Buch hilfreiches Wissen rund
um das Thema „Trauma“. Die Problematik von traumatisierten Menschen gehört definitiv in die
Hände von kompetenten Psychotherapeuten mit traumaspezifischer Ausbildung. Auch in einer
Coaching- oder Beratungs-Situation kann es jedoch jederzeit passieren, dass unbewusste
Prozesse, ungelöste Konflikte und so auch Traumata an die Oberfläche gespült werden. Zu der
Ausbildung eines Coaches gehört es oft nicht zwingend über die Tücken und Schwierigkeiten
dieser Thematik Bescheid zu wissen. Darin liegt eine große Gefahr, denn der traumatisierte
Mensch kann hier in Krisen, Retraumatisierung oder in Panik geraten, wird er nicht adäquat
aufgefangen. Der Coach/Berater weiß, nach der Lektüre dieses umfassenden Werkes, wie die
Traumatisierung zu erkennen ist, wo die Grenzen seines Wirkungsbereiches als Coach/Berater
liegen und wie er den Klienten einer traumaspezifischen Therapie zuführen kann.
Härle beleuchtet die Thematik aus verschiedenen Perspektiven. Sie geht zunächst auf die
neurobiologischen und -physiologischen Eigenschaften nach aktuellen wissenschaftlichen
Erkenntnissen ein. Familiäre und sonstige soziale Zusammenhänge werden genauso beleuchtet,
wie Ursachen im entwicklungspsychologischen Kontext. Sie erläutert detailliert Symptomatiken
und Erscheinungsbild von Trauma. Das lässt den Coach/Berater das Vorliegen eines Traumas
klarer erkennen. Daraus ergeben sich konkrete Handlungsstrategien, die dem Coach/Berater
sowohl Sicherheit, wie auch der Möglichkeit verhelfen die Situation für den Klienten zu tragen.
Dem Klienten kann nicht nur aus dem Chaos von Schuld- und Schamgefühlen herausgeholfen
werden, sondern ihm auch die Notwendigkeit einer Weiterbehandlung durch einen Trauma-
Therapeuten/Psychologen verdeutlichen. Ihre Informationen fasst Härle unter dem Begriff „Traumainformiertes Coaching“ zusammen

Inhalt: In den ersten Kapiteln geht es um die grundsätzlichen Inhalte des Coachings. Was ist ein
Coaching, wozu dient es und in welchen Situationen wird ein Coaching angewendet bzw.
aufgesucht? Coaching wird der Psychotherapie gegenübergestellt, Unterschiede und
Abgrenzungen und Überschneidungen werden aufgezeigt. Auch ein Fragebogen zur Coaching
Anamnese fehlt nicht.
Danach widmet sich Härle ausführlich dem Thema „Trauma“ und der Behandlungsmethode
„Psychotraumatologie“. Es folgen die genaue Definition, detaillierte Beispiele, eine Klassifizierung
und Differenzierung sowie Symptomatik und Folgestörungen. Auch auf das Thema
„Retraumatisierung“ wird im Einzelnen eingegangen.
Dem wichtigen Thema von Neurophysiologie und Neurobiologie widmet sich Härle in einem
gesonderten Kapitel. Auch hier glänzt die Autorin mit umfassendem Wissen und liefert eine
verständliche und eingängige Erklärung der Zusammenhänge.
Nachstehend werden die Folgen unbehandelten Traumas beleuchtet die zu Symptomenkomplexen wie Depression oder Burnout, sowie Ängsten, Zwangs- und Persönlichkeitsstörungen oder auch Suchtverhalten führen können. Ein eigenes Kapitel beschreibt detailliert, wie eine Traumatherapie beschaffen sein kann, welche theoretischen und praktischen Grundlagen hier greifen und wer in welcher Form in diesem Bereich praktiziert. In einem weiteren beispielgestützten und praxisnahen Kapitel, dem Handlungsfaden für Coaches im Umgang mit Traumafolgestörungen befindet sich eine Analyse von Triggern und eine Skalierung sowie die interessante „Triggerliste“. Auch eine Typeneinteilung von Akkuttrauma, konkrete Übungen und Tools fehlen hier nicht. Die Autorin beschließt ihr Werk mit der Thematik der komplexen Traumatisierung, der Unterscheidung von Stress und traumatischem Stress und dem konkreten Umgang mit Traumafolgestörungen im Coaching. Der Coach/Berater erhält eine nicht unerhebliche Anzahl an Leitfäden, Arbeitsblättern, Fragebögen und Checklisten sowie einem ausführlichen Angebot zur Selbstfürsorge in Form von Austausch, Weiterbildung, eigener Psychohygiene, Netzwerken, die seine Ressourcen stützen und ausbauen helfen.

Fazit: Die Autorin hat ein Werk geschaffen, das in keiner Bibliothek eines Coaches/Beraters fehlen sollte. Wenn man sich auf die Suche nach einem Standardwerk über Coaching und Trauma befindet, so hat man hier ein umfassendes Praxishandbuch an die Hand bekommen, dass keine Fragen offenlässt. Glänzend recherchiert, praxisnah untermauert und exzellent umgesetzt. Ein umfangreiches Werk, dass eine fundierte Arbeitsgrundlage für Coaches im Umgang mit traumabelasteten Klienten bietet. Ein „must have“ für jeden, der in dieser Form für die Entwicklung und Persönlichkeitsoptimierung von Menschen tätig ist.