Psychose

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in einer Psychose können vor allem Wahrnehmungen und Denken wesentlich verändert sein. Die Sinne gehen dann eigene Wege und das Denken wird sprunghaft (kognitive Psychose/ Schizophrenie) Oder aber es werden die Stimmung und der Antrieb verändert (Manie oder Depression oder Beides). Das kann soweit gehen, dass auch die äußere Realität nicht mehr angemessen erfasst wird (affektive Psychose) Wie sind Psychosen zu verstehen? Als Transmittermangelerscheinung oder als existenzielle Lebenskrise besonders sensibler Menschen? In den meisten Psychosen geraten die Neurotransmitter (Botensfoffe des Gehirns) aus dem Gleichgewicht. Medikamentöse Behandlung ist in akuten Situationen hilfreich, ABER: Psychosen sind eine psychische und keine genetische Erkrankung. Der Hirnstoffwechsel ist beteiligt, aber in enger Wechselwirkung von Körper. Seele und sozialer Wirklichkeit. Wichtig ist die wechselseitige Abhängigkeit von somatischen und psychosozialen Faktoren. Kognitive Psychose Hier ist vor allem die Wahrnehmung, die Sprache und das Denken verändert:
Laut ICD-10 muss mindestens ein Symptom der Gruppen 1-4 oder müssen mindestens zwei Symptome der Gruppen 5-8 länger als einen Monat fast ständig vorhanden gewesen sein. Das DSM IV verlangt insgesamt mindestens zwei Hauptsymptome über mehr als sechs Monate. Die Diagnose sagt aber noch nichts über die Schwere der Erkrankung aus und sollte nicht den Weg in eine individuelle Therapie verbauen. Jeder Patient (Kunde) muss in seiner sozialen Umgebung und seiner Individualität wahrgenommen und unterstützt werden. Private und klinische Ressourcen sollten verbunden und genutzt werden. Eine Therapie (egal welche) sollte in erster Linie nicht disziplinieren, sonder muss vielmehr helfen, die Erkrankung im Alltag unterzubringen, die psychotischen Elemente ins normale Leben zu integrieren. Verschiedene Aspekte Es gibt mehrere Aspekte, die für das Begreifen einer Psychose in Frage kommen und beachtet werden müssen: Somalische Aspekte Verschiedene Neurotransmitter sind daran beteiligt, Impulse zwischen den Nervenzellen zu übertragen. Es ist unbestritten, dass bei Psychosen die Ausschüttung von Botenstoffen im Gehirn verändert wird. Mindestens drei von ihnen -Dopamin, Serotonin und Glutamat- sind wahrscheinlich an den meisten Psychosen beteiligt, sie stehen im Ungleichgewicht. Aber auch bestimmte Entwicklungsanforderungen, äußere Stressfaktoren, innere Konflikte, hormonelle Veränderungen oder Drogenkonsum können das Gleichgewicht stören. Die Folge kann jedoch eine Überreizung der Sinne sein und damit wächst die Unfähigkeit, die eingehenden Signale nach gewohnten Schemata zu sortieren und zu ordnen. Um eine Psychose mit den typischen Reizüberflutungen einzudämmen und die Symptome zu reduzieren, können neuroleptische Medikamente hilfreich sein. Doch das setzt in der Regel die Akzeptanz des subjektiven Krankheitskonzeptes und die Integration des Patienten in eine tragende therapeutische Beziehung voraus. Psychische Aspekte Es gibt natürlich viele psychische Aspekte, die für das Seelenleben eines Menschen zuständig sind, auch traumatische Erlebnisse gehören dazu. Ansonsten sind es nicht die widrigen Entwicklungsbedingungen eines Kindes, sondern vor Allem Widersprüche zwischen innerer und äußerer Entwicklung eines Menschen, die die

Wahrscheinlichkeit einer Psychose erhöhen. (Bsp. Wunsch nach Anpassung und Individualität) Und diese Widersprüche können nur in einer subjektiven Perspektive festgestellt werden, welche meist aufwendige Forschung voraussetzt. Familiäre Aspekte Familien haben einen großen Einfluss auf die psychische Entwicklung. Wenn es einer Familie gelingt, emotionale Stabilität zu gewährleisten, dann ist es eine gute Basis für seelische Gesundheit. Und je sensibler ein Mensch ist, desto sensibler reagiert er auf Lebenskrisen, also auf Ereignisse, die im Leben kaum zu vermeiden sind. Da viele dieser Lebensereignisse eng mit dem familiären Zusammenleben verknüpft sind, ist die Familie der Ort des Geschehens. Entsprechend brauchen viele Familien Hilfe, ein besonders sensibles Mitglied durch Krisen zu begleiten oder auch rechtzeitig loszulassen. Gleichzeitig ist die Familie für viele Menschen mit Psychosen vor allem ein wichtiger Ort der Kompensation und Unterstützung. Dieses anzuerkennen könnte die Basis sein, familiäre und professionelle Ressourcen stärker aufeinander abzustimmen und zu verbinden. Soziale Aspekte Es ist wichtig, dass Menschen mit Psychosen am sozialen Leben teilnehmen und nicht isoliert werden. In diesem Sinne sollten geeignete Wohn- und Arbeitsbedingungen geschaffen werden, sie müssen in den Alltag integriert werden, Ganz wichtig hierbei ist die Integration des Erlebten, die Stärkung der eigenen Identität, die Weiterentwicklung sozialer Kompetenzen, das Zurückgreifenkönnen auf soziale Ressourcen und das Aufgehobensein in einem Netz von Beziehungen, Aufgaben und Verantwortlichkeiten. Religiöse Aspekte Viele Patienten haben in ihrer Psychose Erscheinungen oder Erlebnisse, Visionen und Stimmen, die am ehesten in den religiösen bzw. spirituellen Kontext passen. Die Häufigkeit dieser Erscheinungen in Psychosen verweist auf ein tiefes menschliches Bedürfnis nach übersinnlicher Orientierung hin. Therapeuten sollten offen sein für die religiösen oder spirituellen Aspekte von Psychosen und für entsprechende Deutungen der Patienten. Welche Aspekte im Einzelfall auch im Vordergrund stehen mögen: In Krisen aus der Realität auszusteigen, sich in Selbstzweifeln oder in Gedanken verlieren zu können gehört zum Wesen des Menschen, ist nicht nur Symptom einer Krankheit, sondern Bestandteil menschlicher Kultur. Dies Bewusstsein kann helfen, die Beteiligten zu entängstigen. Es macht Behandlung natürlich nicht überflüssig, aber akzeptabler.

Es kommt also keineswegs nur darauf an, schnellstmöglich zu diagnostizieren und das psychiatrische Instrumentarium möglichst rasch einzusetzen. Viel wichtiger ist, den Interpretationsspielraum der Patienten zu erweitern und zu unterstützen. Inwieweit diese Unterstützung gehen sollte, liegt einzig beim Patienten, wie schwer er erkrankt ist und inwieweit ihn das am alltäglichen Leben hindert. Entsprechende Medikation ist oft hilfreich, aber auch hier muss geschaut werden, inwieweit dies wirklich nötig ist. Es steht die Frage im Vordergrund, wie gut der Patient mit seiner Erkrankung zurecht kommt.