Gebrauchsanweisung für das Leben in der Postmoderne – Andreas Hillert – Schattauer Verlag – Rezension

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Das Buch stammt aus dem Schattauer-Verlag, umfasst stolze 301 Seiten und wurden von einem Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychiatrie und Psychotherapie verfasst, der sich durch weitere Publikationen zum Thema Burnout und Lehrerinnengesundheit einen Namen gemacht hat.

Mit seinem Buch entwarf er eine Gebrauchsanweisung für das Leben in der Postmoderne – es werden dabei sehr unterschiedliche Perspektiven auf das gegenwärtige Leben aufgezeigt. Gleichwohl wird gewarnt: Dieses Buch richtet sich an Psychotherapeuten, Gesellschaftswissenschaftler, gebildete Laien. Diese Leserschaft-Zielgruppen-Empfehlung ist richtig, denn wer erwartet hatte, dass in niedrigschwelliger Weise Zugang zu den bunten Phänomen der Postmoderne aufgezeigt werden, wird sicherlich enttäuscht und gleichzeitig von komplexen Beschreibungen und theoretischen Ansätzen abgeschreckt. Mag sein, dass es daran liegt, dass der Autor auch klassischer Archäologe ist und damit eine besondere Herangehensweise zum Thema Epochen hat.

Andererseits versteht es Andreas Hillert, durch Fallbeispiele (die auch nicht-fiktiver Natur sind, so der Autor, also ggf. aus der eigenen therapeutischen Praxis mit Klientinnen entspringen) zu „irdischen“ Fragestellungen zurückzuschwingen, die uns Menschen von heute umtreiben. Werte, Ziele, Identitäten, Philosophien, Strategien und Positionen zur Lebensgestaltung in der Postmoderne – diese nicht einfache Kost stehen als Fragekomplexe im Zentrum des Buches und werden beleuchtet, es werden Denkanregungen gegeben und ggf. auch Lösungsvorschläge, keinesfalls aber einfache Antworten oder Tipps geliefert. So „verspricht“ es auch der Einband.

Zur Struktur des Buches: Das Buch ist dabei in 12 Kapitel gegliedert und gibt einen Abriss über zentrale Fragestellungen unserer gegenwärtigen Epoche. Eingangs werden Grundbegriffe erläutert, Epochen im Überblick betrachtet, Fragen an die Postmoderne gestellt. Dem folgt das Kapitel, das die Identität in der zum Fokus hat. Das postmoderne Individuum und die Gesellschaft werden weiterführend ebenso betrachtet wie – in den Kapitel 9 bis 12 – postmodern Performer, „Kunden, Konsumenten und Anspruchsberechtigte“. Abschließend werden FAQs, also häufig gestellte Fragen beantwortet und Vorschläge für Problemlösungen und Strategien dargeboten, für das eigene Glück und für das eigene „ganz Ich sein“. Und letztlich geht es um zwei alternative Positionen: „Performen und/oder treiben lassen. Sie haben die Wahl.“

Fazit: Machen wir einen Check auf das Versprochene: „Es wird abgründig und herausfordernd“? Ja. „Es wird humorvoll und spannend“? Naja. Es fiel mir leicht, das Buch wieder aus den Händen zu legen, da es für meinen Geschmack zu komplex, abstrakt, philosophisch, insgesamt zu wenig anregend und wenig leicht lesbar gestaltet ist. Vielleicht entspringe ich nicht wirklich der anvisierten Zielgruppe – ich konnte jedoch während meines Soziologiestudiums weitaus eingängigere Analysen zum Thema Postmoderne konsumieren, die ich bei Lust auf entsprechender Lektüre eher empfehlen würde.