Interview mit Daniela Geiger – Psychologische Beraterin und Coach sowie Paarberaterin und Trennungsberaterin in München

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Sie arbeiten als Psychologische Beraterin / Coach und Eheberaterin / Paarberaterin in eigener Praxis und mit Hilfe von Online Beratung. Damit wir einen Eindruck von Ihrer Arbeit bekommen … Wie sieht Ihr typischer Tagesablauf im Hinblick auf Ihre Arbeit aus?

Zusammen mit KollegInnen aus unterschiedlichen therapeutischen Richtungen teile ich mir große Praxisräume in der Münchner Innenstadt. Meine erste Sitzung beginnt um 9.00 Uhr, meine letzte um 18.00 Uhr.

Alle Sitzungen beginnen zur vollen Stunde. Einzelsitzungen dauern 50 Minuten, Paarsitzungen 60 Minuten. In den Pausen und am Abend bin ich mit Terminvereinbarungen, Berichte schreiben und Klärungsgesprächen am Telefon beschäftigt. Montags bin ich in einem längeren Coaching-Projekt in einem Unternehmen engagiert, was mir weiterhin einen guten Einblick in den realen Arbeitsalltag liefert.

Die 20minütigen Klärungsgespräche am Telefon, die ich zur Abstimmung einer beginnenden Therapie bzw. Paarberatung anbiete, werden gerne in Anspruch genommen.

Die Online-Sitzungen sind in diesen Praxisalltag integriert. Menschen, die sich lieber in ihrer deutschen Muttersprache über ihre persönlichen Themen austauschen möchten, gibt es auf der ganzen Welt. Je nach Zeitzone vereinbaren wir die Sitzungen passend zu meinem Zeit- und Stundenangebot – von Miami über Abu Dhabi bis nach Shanghai. Aber auch Menschen oder Paare in Deutschland, Österreich, Schweiz nutzen diese Möglichkeit, teils weil sie niemand Passenden in ihrer Umgebung finden, teils weil sie ihre Privatsphäre in ihrem kleinen Heimatort schützen möchten.

An jedem Monatsende bin ich zwei Abende mit Rechnungsstellung, -aussendung und vorbereitender Buchhaltung beschäftigt.

Können Sie etwas über Ihren beruflichen Werdegang sagen? Wie und warum haben Sie angefangen sich mit Psychologie bzw. Psychologischer Beratung zu beschäftigen?

Parallel zu meinem Studium der Sozio-Ökonomie an der Uni Augsburg habe ich meine Ausbildung in Aktiver Imaginationstherapie nach C.G. Jung an einem Privatinstitut für tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie absolviert. Es folgten Weiterbildungen in Hypnotherapie und zu Vertiefungsthemen wie Sexuellem Missbrauch, Trauma u.ä. Während des Studiums arbeitete ich zu dessen Finanzierung 20 Stunden pro Woche als Assistentin, in den Semesterferien absolvierte ich Praktika abwechselnd in der Industrie (BMW, Siemens etc.) und in Psychiatrien (Erwachsene und Kinder-Jugend).

1994, mit 27 Jahren, startete ich mit meiner Praxis und arbeitete während des Aufbaus weiterhin in diversen Unternehmen – auch, um in so jungen Jahren nicht nur „in meinem Sessel zu sitzen“ sondern weiterhin die Unternehmenswelt live selbst mitzubekommen.

Ich habe lange nach einer Coaching-Ausbildung gesucht, die meinem tiefenpsychologisch fundierten Ansatz gerecht wird, und entschied mich dann für den Psychodynamischen Coach, und zu dessen Vertiefung zu einer Weiterbildung im Essenz Coaching.

Gegründet ist das Ganze auf einer intensiven Einzeltherapie, die ich im Alter von 20 Jahren begann.

Wie verlief dann der Start in Ihr Berufsleben und in die Selbstständigkeit? Was war dafür organisatorisch notwendig?

Generell finde ich für dieses Thema wichtig, dass alles zum Beruf einer Psychotherapeutin in eigener Praxis gehört: Verwaltung, Buchhaltung, Marketing, Kassenanträge schreiben, Abrechnungen, Terminvereinbarungen etc. Selbstständig sein ist auch eine Haltung. Ich kann nicht nur therapieren wollen, sondern muss auch für das „Drumherum“ sorgen.

Da ich bereits 1996 nach dem Heilpraktikergesetz geprüft wurde (noch vor dem Psychotherapie-Richtlinien-Gesetz) und eine Praxis auf Selbstzahler-Basis führe, fielen bei mir alle Krankenkassen-Notwendigkeiten weg. In meinem Fall heißt das dafür: Anmeldung beim Gesundheitsamt, Eintrag in die Medizinalkartei, Anmeldung beim Finanzamt, Versicherungen abschließen, Raumsuche, Suche nach einer Intervisionsgruppe und nach einem Supervisor, Webseite erstellen, Visitenkarten etc.

Sie bieten ein breiteres Spektrum an Psychologischer Beratung und auch Coaching an … sind Sie spezialisiert auf bestimmte Klientengruppen, Branchen oder Problemstellungen?

Psychodynamisches Coaching betrachtet den Menschen und den eigenen inneren Umgang mit und in seinen beruflichen Themen, daher bin ich nicht auf Branchen begrenzt.

Sicherlich hat sich innerhalb der Jahre ein eigenes „Spezialgebiet Beziehungen“ herausgebildet, aus dem sich dann auch meine Erweiterung zur Paar- und Trennungsberatung entwickelte.

Meine jüngste Klientin ist aktuell 17 Jahre alt, die älteste/der älteste ist 79 Jahre.

Was war ein „Highlight“ in Ihrer beruflichen Tätigkeit als Psychologische Beraterin / Coach? Gab es besondere Momente, Arbeitsergebnisse oder Ereignisse?

Ich erlebe viele Menschen, die sich mutig ihren Problemen, schwierigen Seiten und auch dunklen Aspekten stellen. Dass sich jemand mit all dem mir offen anvertraut, berührt mich immer wieder.

Entwicklung und Veränderung bei einem Menschen zu begleiten, erfreut mich sehr. Menschen stärken zu können und aus Krisen in eine (innere) Freiheit anzuregen ist ein dankbarer Beruf.

Ich empfehle jedoch auch die Selbstfürsorge für ein eigenes erfüllendes Privatleben, um nicht „vom Leben der Anderen“ für das eigene Erleben abhängig zu sein.

Vielen Dank für das Interview!

Für weitere Informationen zur Frau Daniela Geiger siehe auch ihr Autorenprofil:  https://www.psychologie-ausbildung.com/author/danielageiger