Schizophrenie – Die Krankheit verstehen, behandeln, bewältigen – Asmus Finzen – Psychiatrie Verlag – Rezension

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Der Autor hat sich mit einer psychischen Erkrankung – der Schizophrenie – befasst, die in der Öffentlichkeit noch zu wenig Aufmerksamkeit bekommt, obwohl es viele Betroffene gibt.

Zunächst ist erkennbar, dass sich der Autor schon viele Jahrzehnte mit dieser Thematik beschäftigt. Er bringt sowohl seine langjährigen beruflichen (vor allem aus dem klinischen Setting) aber auch seine persönlichen Erfahrungen in das Buch ein.

Dem Verfasser gelingt ein guter Einstieg in die Thematik, in dem er kurz die Lebensgeschichte eines Betroffenen, dessen Lebens- und Krankheitsgeschichte er selbst miterlebt hat, skizziert. Mit kurzen prägnanten Sätzen verdeutlicht er, wie sich die Erkrankung bei dem Betroffenen ausgewirkt hat.

Im weiteren Verlauf werden verschiedene Aspekte, die mit der Krankheit in Zusammenhang stehen, in insgesamt 21 Kapiteln, beleuchtet: u. a. „die Krankheit“, „Niemand hat Schuld“, „Symptome und Zeichen“, „Verlauf und Prognose“, „Ursachen und Anlässe I und II“ und „Behandlungsgrundsätze“, „die akute Psychose“, „der steinige Weg zur Wiederherstellung“, „Rückfallvermeidung und Wiedererkrankung“ und „Angehörigenselbsthilfe“. Obwohl die einzelnen Unterpunkte insgesamt auf wenigen Seiten „abgehandelt“ werden, sind diese inhaltlich sachlich und konkret beschrieben, so dass der Leser einen Einblick und ein Verständnis für die Themen erhält.

Dem Kapitel über „Schuld“, im Zusammenhang mit der Erkrankung, kommt eine große Wichtigkeit zu, da es sowohl die Erkrankten selbst, als auch die Angehörigen entlasten soll, da der Autor klarstellt, dass keiner etwas für die Krankheit und ihre Begleitumstände kann.

In dem Kapitel „Symptome“ ist ersichtlich, dass es dem Auto vorrangig darum geht, das Buch für Erkrankte, Angehörige und Interessierte verständlich darzustellen, in dem er auf psychiatrische Begrifflichkeiten verzichtet. Für Fachpersonen weist er aber auf entsprechende Literatur hin.

Im Kapitel, in dem es um die „Diagnose“ geht, macht der Autor an einem Beispiel die unterschied-liche und teilweise fatale Vorgehensweise zwischen einer körperlichen und der Psychose-Diagnose deutlich. Er formuliert außerdem sehr klar, dass das breite Störungsbild der Psychose in den Diagnosekriterien des DSM und ICD nur unzureichend abgedeckt und dadurch das Risiko für eine Fehldiagnose erhöht wird.

Bei einigen Themen lässt der Autor Aussagen von betroffenen Angehörigen, beispielsweise aus einem Buch einer Mutter, deren Tochter an Schizophrenie erkrankte, einfließen. Dies lockert zum einen die „Theorie“ auf, zum anderen macht es die Problematik der Erkrankung nochmals sehr deutlich. Vor allem für Angehörige, die das Buch lesen, könnte dies zu einer gewissen Entlastung/Erleichterung beitragen, da ihnen gezeigt wird, dass es anderen Personen mit ihrem/ihrer Erkrankten ähnlich ergeht.

Im Kapitel „Erleben und Miterleben“ skizziert der Autor vier Geschichten von Personen, die sich in unterschiedlichen Phasen der Erkrankung befanden. Dadurch werden einerseits die möglichen Verläufe, andererseits der Umstand, dass es jeden treffen kann, ganz unabhängig von Alter und Status, ersichtlich.

Der Autor hat nach den Literaturangaben eine Seite mit Internet-Adressen, auch für Österreich und die Schweiz, eingefügt, auf denen sich Betroffene und Angehörige Informationen und Hilfe einholen können. Obwohl jeder Betroffene oder die Angehörigen selbst das Internet „durchforsten“ könnten, sind empfohlene „gute und professionelle“ Adressen sehr wichtig und nützlich, da die Personen so schneller und ohne eigenen Aufwand an gewünschte Daten und Fakten herankommen bzw. darauf zurückgreifen können, was ihnen bei der meist allumfassenden Belastung durch die Krankheit ein Stück weit hilft.

Das Buch ist gut gelungen. Es beinhaltet die wichtigsten Aspekte der Erkrankung. Durch eher kurze und prägnante Sätze im eher umgangssprachlichen Stil kann es dem Leser (vor allem dem nicht oder noch unzureichend informierten) gelingen, sich gut mit den Hintergründen der Krankheit auseinanderzusetzen. Möglicherweise hätte das Einbringen von weiteren Berichten von Erkrankten und Angehörigen (z. B. zum Umgang mit der Störung und miteinander) die Thematik noch eindringlicher unterstreichen und verdeutlichen können.